Düstere Prognose für das Weihnachtsgeschäft
Bei Amazon brennt der Baum

Der weltgrößte Internet-Händler Amazon hat mit einem zurückhaltenden Ausblick auf das gerade angelaufene Weihnachtsgeschäft die Investoren verschreckt. Die Aktie des US-Unternehmens brach gestern zu Börsenbeginn um fast dreizehn Prozent ein und konnte sich im Verlauf nur teilweise erholen.

DÜSSELDORF. Die Furcht vor einem schwachen Jahresendgeschäft drängte das beeindruckende Ergebnis Amazons für das abgelaufene Quartal in den Hintergrund. Der Gesamtumsatz für 2008 wird laut Amazon zwar immer noch höher ausfallen als im Vorjahr. Das Management senkte seine bisherige Prognose aber um insgesamt rund eine Mrd. Dollar. Der Abschwung habe sich bereits Ende des Quartals – und damit parallel mit der Zuspitzung der Finanzkrise – abgezeichnet, räumte Finanzvorstand Tom Szkutak bei der Vorlage der Zahlen ein.

Die Nachricht traf die Börse auf dem falschen Fuß. Zuvor hatte Konkurrent Ebay schon vor einem schwierigen Weihnachtsgeschäft gewarnt. Das Unternehmen befürchtet für das Quartal zudem erstmals einen echten Umsatzrückgang. Anleger hatten bis zuletzt gehofft, dass sich Amazon als Branchenprimus – ähnlich wie Google bei den Internet-Suchmaschinen – dem Abwärtssog besser werde entziehen können, als schwächere Unternehmen. Damit wird nun nicht mehr gerechnet. Die Ergebnisse hätten zwar im Rahmen der Erwartungen gelegen, sagte Stephan Ju, Analyst bei RCB. Die Prognose des Unternehmens habe die Schätzungen aber weit verfehlt. Er bleibt optimistisch für die Aktie, senkt das Kursziel aber von 80 auf 73 Dollar.

Die Situation verschärfte sich über Nacht durch die Meldung aus Asien, wonach der japanische Handelsbilanzüberschuss auf den tiefsten Stand seit 25 Jahren gefallen ist. Das lag nicht zuletzt daran, dass die Exporte von Konsumgütern in die USA stark zurückgehen. Die Zahl der Neuanträge auf Arbeitslosenunterstützung stieg ebenfalls in der zweiten Oktoberwoche an, um 15 000 auf 478 000 an. Anleger werteten dies als starke Indizien dafür, dass sich nicht nur der traditionelle Handel auf harte Zeiten einstellen muss, sondern auch der Online-Handel.

Für 2008 erwartet Amazon ein Umsatzplus zwischen 24 und 31 Prozent auf 18,46 bis 19,46 Mrd. Dollar. Bisher war 30 bis 35 Prozent das Ziel. Wie sehr sich das Management im Blindflug bewegt, zeigt die Prognose des operativen Gewinns für das vierte Quartal. Er werde zwischen 145 und 305 Mio. Dollar ausfallen, heißt es. Das lässt alles offen zwischen einem Gewinneinbruch um fast 50 Prozent und einem schwachen Plus zum Vorjahr.

Entsprechend konnten die Rekordmeldungen des dritten Quartals nicht mehr beeindrucken. Der Umsatz stieg um 31 Prozent auf 4,26 Mrd. Dollar, der Nettogewinn um 48 Prozent auf 118 Mio. Dollar. Durch Währungsgewinne konnte Amazon alleine 15 Mio. Dollar Gewinn verbuchen, mit der Erstarkung des Dollar wird dies voraussichtlich nun deutlich abschmelzen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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