Duisburger Binnenhafen
Logistisches Herz

Der Erfolg des größten europäischen Binnenhafens strahlt auch auf das Image der Stadt Duisburg ab. Schon heute gilt der Duisport als das logistische Herz Nordrhein-Westfalens, der Containerbereich wächst in rasantem Tempo. Doch der Hafen soll noch weltmännischer werden.
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DÜSSELDORF. Uwe Weiß genießt seine Freiheit. Vom Führerhaus seiner Lok aus blickt er auf die Schienen. Es riecht nach Schweiß, Diesel und Öl. Das gehört dazu. Doch nach 37 Jahren als Lokführer fällt Weiß das gar nicht mehr auf. Er ist der Herr der Maschine: "Das Ding hat 700 PS und hört nur auf mich." Doch die Freiheit endet für Weiß schon nach wenigen Kilometern. Weiß rangiert die Züge - bis zu 600 Meter lang und 1700 Tonnen schwer - im Duisport, dem Duisburger Hafen.

Der 52-Jährige verlässt den Radius des Rangierbahnhofs während der Arbeitszeit nie. Anders die Waggons, die er rangiert. Vom Duisburger Hafen aus können innerhalb von drei Stunden 47 Millionen Menschen mit der Eisenbahn erreicht werden. Über die Straße sind es in gleicher Zeit sogar 62,5 Millionen. Ganz zu schweigen vom Wasserweg: Mehr als die Hälfte der Binnenschifffahrt und das Gros der Fluss-See-Schifffahrt in Europa laufen über den Rhein. Der Duisport hat daher eine ideale Lage. Er ist nicht nur der größte Binnenhafen der Welt, im vergangenen Jahr schaffte er es auch erstmals unter die 100 größten Containerumschlaghäfen weltweit. Daraus schlägt auch die Stadt ihr Kapital.

Die will den Hafen jetzt noch weltmännischer haben: Die Duisburger Hafen AG, Anteilseigner sind neben der Stadt Duisburg auch das Land NRW und der Bund, will aus dem klassischen Massenguthafen einen der führenden Logistikstandorte Europas machen. Schon heute gilt der Duisport als das logistische Herz Nordrhein-Westfalens.

Der Hafen erreichte 2005 eine Wertschöpfung von mehr als 2,2 Milliarden Euro. Seit Ende der Neunzigerjahre haben sich mehr als 50 Konzerne dort angesiedelt, darunter die amerikanische Tower Automotive GmbH oder die niederländische Seacon Logistics GmbH. Schon ansässige Unternehmen, wie die Container-Terminalgesellschaft DeCeTe oder der französische Kontraktlogistiker Geodis, haben sich vergrößert. 36 000 Menschen arbeiten in den insgesamt 250 dort vertretenen Unternehmen. Vor sechs Jahren waren es erst 24 000 Menschen. Elf Prozent aller Arbeitsplätze in Duisburg hängen damit vom Hafen ab.

Am stärksten wächst der Containerbereich. Da immer mehr im Ausland produziert wird, muss auch immer mehr transportiert werden. Der Duisport erreichte in den vergangenen Jahren Steigerungsraten von bis zu 37 Prozent jährlich. 20 000 Schiffe haben 2005 rund 50 Millionen Tonnen Güter transportiert. Per Bahn und Lkw kommen noch mal so viele hinzu. Die Hälfte davon leisten die privaten Werkshäfen, etwa Schwelgern und Walsum-Süd der Eisenbahn und Häfen GmbH oder der Werkshafen der Hüttenwerke Krupp Mannesmann. Weil der Rhein in Duisburg recht tief ist, können auch große Schiffe immer gut beladen werden.

Doch im einst reinen Transportsektor werden Dienstleistungen immer wichtiger. Eine Folge des Strukturwandels: Als 1987 die Hoesch Werke in Dortmund die Kohleproduktion einstellten, brach auch der Kohleverkehr von dort nach Duisburg ab, ein Desaster für den Hafen. Seinen Ausweg fand er in neuen Serviceangeboten. Mittlerweile verpachtet die Hafen AG auch Grundstücke, betreibt eine eigene Eisenbahngesellschaft mit lokalen und regionalen Verbindungen und übernimmt den Bau und die Instandhaltung von Lagerhallen. "Wir sind wesentlich aktiver als andere", sagt Erich Staake, Vorstandssprecher der Duisburger Hafen AG.

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