Durchsuchungen durch EU
Frachtfirmen unter Kartellverdacht

Europäische und amerikanische Wettbewerbsbehörden haben zum Schlag gegen ein mutmaßliches Kartell weltweit führender Speditionen ausgeholt. In einer Überraschungsaktion durchsuchten die Ermittler unter anderem die Geschäftsräume des zur Deutschen Bahn gehörenden Spediteurs Schenker und der Schweizer Unternehmen Kühne & Nagel sowie Panalpina.

DÜSSELDORF/BRÜSSEL. Es bestehe der Verdacht auf illegale Preisabsprachen bei Speditions- und Logistikdiensten, sagte ein Sprecher der Schweizer Wettbewerbskommission (Weko). Bestätigt sich dies, drohen den Unternehmen Geldbußen bis zu einer Höhe von zehn Prozent des Jahresumsatzes.

Auslöser der Razzien sei die Selbstanzeige eines Speditionsuntermehmens gewesen, sagte ein Weko-Sprecher. Hintergrund dürfte sein, dass Kronzeugen eines Kartellvergehens mit Nachlässen bei der Geldbuße rechnen können. Die EU-Kommission, das US-Justizministerium und die Schweizer Wettbewerbskommission hätten ihr Vorgehen abgestimmt, so der Sprecher weiter.

Nach Angaben der Schweizer Kartelljäger zielen die Ermittlungen auf rechtswidrige Absprachen bei der Weitergabe verschiedener Zuschläge im Speditionsgeschäft an Kunden. Betroffen seien der Luft-, Land- und Seeverkehr. Konkret nannte der Sprecher Treibstoff-, Vorabfertigungs- und Mehrwertsteuerzuschläge. Die vermuteten Kartellabsprachen seien über Jahre getroffen worden. Aus Kreisen der Kartellbehörden hieß es zudem, dass weitere Unternehmen ins Visier der Ermittler geraten könnten. Offen blieb am Donnerstag, in welcher Höhe Kunden geschädigt worden sind.

EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes hatte den Kampf gegen Kartelle zu einem ihrer wichtigsten Ziele erklärt. Dass sie hart durchgreifen will, zeigte sie in jüngster Zeit mit mehreren spektakulären Rekordbußgeldern in dreistelliger Millionenhöhe. Kartellrechtsexperten glauben deshalb nicht, dass die nun ins Visier geratenen Speditionen ungeschoren davonkommen. "Die Kommission veranlasst solche Razzien nur bei sehr begründetem Verdacht und wirklich substanziellen Informationen", sagte der Anwalt eines betroffenen Unternehmens.

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