Dyson-Chef zum Brexit
„Man darf nicht nur auf Europa schauen“

Der Deutsche Max Conze leitet den britischen Staubsauger-Giganten Dyson. Nach dem Brexit-Votum fürchtet er keine negativen Folgen für sein Unternehmen – und denkt sogar über einen Laden in Deutschland nach.

Das Wort von Max Conze hat Gewicht in Großbritannien. Seit 2011 leitet der Deutsche das größte britische Familienunternehmen, den Staubsauger-Giganten Dyson. Dessen Gründer James Dyson ist einer der wichtigsten Befürworter für einen EU-Austritt gewesen. Der 46-Jährige nahm sich für das Handelsblatt nun Zeit, um im neuen Londoner Flagshipstore der Firma über seine Sicht auf die historische Entscheidung zu sprechen.

Herr Conze, hat Sie der Ausgang des EU-Referendums überrascht?
Nein, das hat es mich nicht. Die britische Bevölkerung hat in dieser Frage monatelang intensiv diskutiert und ist letztlich zu einem knappen, aber klaren Ergebnis gekommen. Nun heißt es, nicht nur für die Politik, sondern für die Wirtschaft, mit diesem Votum umzugehen.

Rechnen Sie mit einer Periode der Unsicherheit?
Dyson ist eine ingenieursgetriebene Firma. Wir gehen deshalb solche Fragen nicht an, in dem wir nun nervös werden, sondern wir suchen nach Lösungen. Und ich bin mir sicher, dass wir weiter Erfolg haben werden.

Wie wird der Brexit Dyson treffen?
Gar nicht. Wir exportieren in 72 Länder auf der Welt und wir sind sehr aktiv und erfolgreich in Europa. Wir haben große europäische Teams in unserer Firma und wir lieben Europa, schließlich komme ich selbst aus Deutschland. So haben wir tiefe Verbindungen in jedes der europäischen Länder und wir sind zuversichtlich über die Aussichten von Dyson auf dem europäischen Kontinent – auch nach dem Referendum.

Also keine Kurskorrektur im Schatten des Referendums?
Nein, wir werden weiter investieren und weiter Ingenieure aus aller Welt einstellen. Wir fürchten nicht, dass wir keine fähigen Ingenieure mehr finden. Wer bei Dyson arbeiten will, wird weiter kommen – und ist herzlich willkommen. Wir schauen global auf die Welt. Europa ist ein wichtiger Markt für uns, aber nur ein Teil der Welt. Man darf den Blick nicht allein auf Europa verengen.

Firmengründer James Dyson hatte sich so klar wie kaum ein anderer Unternehmer für einen Brexit ausgesprochen. Haben Sie in der Zentrale nach dem 23. Juni gefeiert?
Nein, das haben wir nicht. Das hätten wir auch nicht angemessen gefunden. Es ging um eine wichtige politische Frage. Das sollte man mit dem nötigen Respekt behandeln.

Sie haben im letzten Jahr Miele überholt und sind nun Marktführer in Deutschland nach Umsatz. Fürchten Sie diesen Rang nach dem Brexit-Votum zu verlieren, weil einige Käufer vielleicht auch emotional reagieren?
Nein, davon gehe ich nicht aus. Es wäre auch nicht richtig, unsere Produkte mit einer politischen Entscheidung in Verbindung zu bringen.

Sie haben diese Woche ihren ersten Flagshipstore in London eröffnet. Planen Sie solches auch für Deutschland?
Ja, wir denken über weitere Läden nach. Auch Deutschland ist dabei ein Thema. Wo und wann kann ich aber Ihnen nicht sagen.

Ihr letztes Produkt war ein Föhn, aber Dyson wurde auch schon mit einem autonomen Auto in Verbindung gebracht. Wie viel Wahrheit steckt dahinter?
Wir denken in unseren Laboren immer über die unterschiedlichsten Dinge nach – und haben dabei auch einen langen Zeithorizont. Wir kommentieren jedoch grundsätzlich nie Spekulationen, an welchen Produkten wir genau arbeiten. Unser Saugroboter ist allerdings technologisch nicht unendlich weit von der Technologie entfernt, die man für das autonome Fahren benötigt.

Herr Conze, vielen Dank für das Interview.

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