E-Commerce-Boom
Die Schattenseiten des Online-Handels

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Online-Shopping: Ein Umwelt-Wahnsinn?

Leider sitzen die Deutschen aber nicht immer mit verwaschener Jogginghose zu Hause auf ihrem Sofa und der Bote muss das Paket erstmal wieder mitnehmen, weil auch der Nachbar nicht da ist. Das erzeugt wieder mehr Verkehr.

Und weil wir Weltmeister im Umtauschen sind, liegen die Retourenquoten im Online-Handel jenseits von Gut und Böse. Im Schnitt geht jede zehnte Bestellung wieder zurück zum Anbieter. Am schlimmsten trifft es die Modebranche. „Mindestens jedes zweite Paket geht bei Bekleidungskäufen im Internet zurück. Für die Umweltauswirkungen ist das eine Katastrophe“, sagt Moritz Mottschall vom Freiburger Öko-Institut.

Tag für Tag, das hat das Wirtschaftsmagazin „Plusminus“ ausgerechnet, gehen 800.000 Pakete zurück. Das mache 400 Tonnen CO2. Täglich. Die gleiche Menge würden 255 Auto-Fahrten von Frankfurt nach Peking verursachen. Und über das Thema Verpackungsmüll bei Web-Shopping von Lebensmitteln, die im Styropormantel stecken oder auf Plastikpolstern liegen, haben wir noch gar nicht gesprochen!

Gerit Heinemann von der Hochschule Niederrhein sieht noch einiges auf uns zukommen. Denn: Im Kampf um Marktanteile peilen immer mehr Online-Händler eine Zustellung noch am selben Tag an. „Außerdem können Sie sich schon heute in Großstädten Ihren Einkauf innerhalb von einer Stunde nach Hause fahren lassen“, so der Experte. So fahren etliche Bringdienste und Logistiker parallel durch die Gegend und nicht immer sind die Fahrten optimiert. Vor allem beim Express-Versand warten die Lieferfahrzeuge nicht immer, bis sie richtig voll sind.

Müssen die Menschen jetzt völlig schwarz in die Zukunft schauen? Nein, gerade in Bezug auf nachhaltiges Wirtschaften lässt sich einiges bewirken. So sollte man sich als Kunde immer fragen, ob es beispielsweise notwendig ist, sich 10 verschiedene Paar Schuhe zu bestellen, um danach wieder 9 Stück zurück zu schicken. Die Zeitschrift Öko-Test rät: „Bestellen Sie nur das, was Sie wirklich brauchen und was Sie vor Ort nicht bekommen und vermeiden Sie es, Waren zurückzuschicken. Dann ist gegen Online-Shopping eigentlich nichts einzuwenden.“

Umwelt-Experten raten außerdem davon ab, im Laden in der Stadt ein Kleidungsstück anzuprobieren, um es dann doch im Internet zu bestellen, weil es dort ein paar Euro billiger ist. Das sei nicht nur unfair gegenüber den Ladenbesitzern, sondern verursache auch doppelt so viele Emissionen. Und beim Versand sollte man lieber die Standard-Version wählen, weil dann die Paketautos besser ausgelastet werden.

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  • Ja, ich bestelle im Internet. Nein, ich schicke nichts zurück, außer es ist defekt oder passt trotz vorheriger Information nicht. Allenfalls, wenn ich gar nicht entscheiden kann, ob jetzt doch das Teil mehr oder weniger sein muß. Ich benötige ein Auto, um die nächste Kleinstadt zu erreichen. Auswahl Fehlanzeige. Preise teils unverschämt. Man würde Tage benötigen, um das Angebot einigermassen vergleichen zu können, wie man es online kann. Patzige "Verkäuferinnen" - haben wir nicht da in der Größe, kommt erst nächste Woche wieder. Von echter Beratung keine Spur. Dazu die Abzocke beim Parken. Ja, das müssen wir erst bestellen...schnauf (macht uns Arbeit). Wenn man Wünsche oder Vorstellungen äußert, was man sucht, wird man angeglotzt, als würde man unmögliches verlangen. Überall in den Geschäften nur "Massenware". Shopping ist definitiv KEIN Erlebnis, wie man es den Kunden so oft einreden will. Ich geh zweimal im jahr zum Klamottenkauf. Im Frühjahr und im Herbst. Da wird alles eingepackt, was gefällt, passt und preislich in Ordnung ist, dann probiert udn aussortiert. 5 Teile mitgenommen und fertig. In die Innenstadt geh ich, wenn was erledigt werden muss und Samstag vormittag im Sommer auf den Wochenmarkt. Ansonsten 1-2 mal Lebensmittel in der Woche und fertig. Im Sommer sind genau 2 mal, mit Glück, Artischocken zu bekommen, die man essen kann (nicht vertrocknet) und das zu horrenden Preisen. Ich arbeite und hab in meiner Freizeit besseres zu tun, als durch irgendwelche Geschäfte zu hopsen. Die Zusteller sollten tatsächlich besser bezahlt werden, genau wie auch die Leute, die im Versand arbeiten.

  • Sorry, aber der Artikel provoziert mich nun doch zu einer politisch unkorrekten Feststellung: Mal abgesehen davon, dass immer mehr Kommunen durch ihre Jagd auf Autofahrer einem das Einkaufen in der Innenstadt verleiden, möchte ich hier mal fest stellen, dass das Einkaufsverhalten von Frauen generell deutlich unökologischer als das von Männern ist. Wenn ein Mann etwas braucht, prüft er erst, welches Produkt er wo kaufen möchte (meist online). Dann fährt er los, nachdem er vielleicht sogar im Laden telefonisch die Verfügbarkeit geklärt hat, kauft das Produkt und fährt wieder nach Hause. Und nun gehen sie doch mal mit einer Frau Shoppen ;-)

  • 400 Tonnen CO2. Täglich - klingt viel, ist es aber nicht!!!
    => 400.000.000 Gramm CO2
    > bei 40 Mio zugelassenen PKW in Deutschland macht das bei 159g/km = 125 METER pro Tag, die jedes Auto zusätzlich zurücklegen könnte bei KOMPLETTER Einsparung ALLER DHL-Autos (also auch keine Briefe mehr).
    Ich finde, da sollte man alle Anstrengungen mehr in die:
    -Vermeidung von Privat-Autofahrten (mal aufs Rad steigen zum Einkaufen),
    -Verbesserung von Verkehrsleitsystemen (Vermeidung von Umwegen/Staus),
    -bessere Filteranlagen in Industriebetrieben,
    -verstärkte internationale Bemühungen damit in Brasilien der Regenwald nicht wegen Palmöl/Biosprit abgeholzt wird,
    und und und......
    stecken, als sich um die "paar" Tonnen CO2 aufregen.
    Klingt viel, aber bei einem Ausstoß von 2,2 MILLIONEN Tonnen CO2 TÄGLICH in Deutschland sind die 400 Tonnen der DHL sehr sehr wenig.

    Ich finde es auch nicht gut, aber man sollte nicht mit der falschen Keule schwingen und die CO2 Keule ist völliger Nonsens.

    Und wenn hier einer mit der Verpackung in den Paketen anfängt, dann geht mal Arbeiten in einem Verpackungsherstellungsbetrieb.
    DA sind die Probleme zig mal größer und es stehen einem die Haare zu Berge, wenn man nen Karton aus Wellpappe herstellt und mit dem UNICEF Logo bedruckt und das Blau auf dem Karton nicht zu 100% mit dem UNICEF-Blau übereinstimmt und die gesamte Charge (85.000 Kartons) in den Zerhäcksler geht.
    Als wenn es hilfsbedürftige afrikanische Kinder interessiert, ob das Blau so oder so ausschaut.
    DAS ist CO2 Verschwendung!!! Den Aufwand aus bedruckter Pappe wieder saubere Papierrollen zu bekommen will ich gar nicht wissen

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