E-Commerce boomt Warum der russische Online-Handel der Krise trotzt

Trotz schwachen Rubels und Wirtschaftskrise kaufen immer mehr Russen online ein: Statt Ebay und Amazon ist in dem Land vor allem Alibaba aus China beliebt. Denn Händler müssen auf dem russischen Markt vieles beachten.
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Die meisten Zahlungen im russischen Internethandel werden über Yandex abgewickelt. Quelle: Reuters
Online-Shopping in Russland

Die meisten Zahlungen im russischen Internethandel werden über Yandex abgewickelt.

(Foto: Reuters)

MoskauAlibaba erhöht den Druck auf seine Konkurrenz in Russland: Anfang der Woche startete der chinesische Online-Händler den Service „Aliexpress Mall“ für die 20 größten Städte Russlands. Bislang mussten Kunden mitunter einen Monat auf Lieferungen warten, nun sollen sie bereits am nächsten Tag verfügbar sein – wenn auch zunächst für eine begrenzte Anzahl von Waren. Zudem will Alibaba seinen Kunden als erster Anbieter Kredit gewähren.

Ein geschickter Schachzug, denn Russlands Markt für E-Commerce wächst rasant. Elektronische Flug- oder Bahntickets von Elista nach Moskau, Markenklamotten per Mausklick nach Magadan und Inbusschlüssel per Internet in Ischewsk: Was vor einigen Jahren noch wie Zukunftsmusik klang, ist inzwischen auch in Russland gang und gäbe.

Während der Konsum in den vergangenen drei Jahren aufgrund von Wirtschaftskrise und Rubelschwäche insgesamt drastisch eingebrochen ist, spürt der Internethandel davon wenig. Im Gegenteil: Laut Alexej Fjodorow, dem Präsidenten der russischen Vereinigung für E-Commerce-Unternehmen AKIT, legte der Umsatz 2016 online um 21 Prozent zu.

Mit einem Volumen von rund 15 Milliarden Euro (920 Milliarden Rubel) liegt er zwar noch deutlich unter deutschem oder britischem Niveau. Doch die Russen holen beim Online-Shoppen schnell auf. „2008 hatten wir einen E-Commerce-Anteil von etwa zehn Prozent – in Deutschland war er damals schon wesentlich höher. Heute liegt er bei uns in Russland bei 90 Prozent“, sagt Martin Schierer, CEO der Otto Group in Russland.

Dabei haben die wirtschaftlichen Turbulenzen, in die Russland 2014 geriet, auch Otto getroffen. Zwar blieb der Umsatz – in Rubel gerechnet – nach Beginn der Krise relativ stabil: Die zuvor zweistellige Marge sei aber „runtergekracht ohne Ende“, bekennt Schierer. Otto reagierte mit scharfen Kürzungen auf den Schock, weshalb die Gruppe bereits 2015 wieder schwarze Zahlen schrieb. 2016 ging es dann weiter aufwärts.

Und die Aussichten sind gut. In diesem Jahr prognostiziert die Branche dem Online-Handel erneut ein Wachstum von rund 25 Prozent. Gerade der grenzübergreifende Warenverkehr (Cross Border) boomt. Dabei spielt auch die gerade für Russland erstaunlich liberale Gesetzgebung in dem Bereich eine wichtige Rolle: Warensendungen bis zu einem Wert von 1000 Euro können zollfrei nach Russland eingeführt werden – und selbst teurere Sendungen lassen sich leicht stückeln, um den Zoll zu umgehen.

Der Anteil des Imports hat sich so innerhalb eines Jahres von 29 auf 33 Prozent erhöht und wird weiter wachsen. Vor allem bei Kleidern und Schuhen, Haushaltsgeräten und Elektrotechnik sind ausländische Anbieter bei den Russen gefragt.

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