E-Commerce
Online-Händler leiden unter Post-Streik

Erneut sind rund 30.000 Postbeschäftigte im unbefristeten Ausstand – sehr zum Leidwesen deutscher Online-Händler. Etwa die Hälfte aller Waren kommen verspätet beim Kunden an, klagen sie.
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BerlinDer Streik bei der Deutschen Post hat erhebliche Auswirkungen auf den deutschen Online-Handel: Mehr als drei Viertel der Online-Händler sehen sich stark bis extrem stark vom Arbeitskampf der Postmitarbeiter betroffen, wie der Bundesverband Online-Handel (BVOH) am Freitag in Berlin unter Berufung auf eine Umfrage bei seinen Mitgliedern mitteilte. Zwei Drittel der befragten Online-Händler berichtete demnach von Umsatzeinbußen durch den Poststreik – fast ein Fünftel rechnet sogar mit einem Umsatzeinbruch von mehr als 25 Prozent.

Mehr als 40 Prozent der befragten Online-Händler gingen zugleich davon aus, dass etwa die Hälfte der bei ihnen georderten Ware verspätet ausgeliefert wird. „Jetzt, wo die bestellte Ware nicht am Folgetag beim Verbraucher ist, wird den Kunden klar, wie reibungslos und schnell Onlinehandel in Deutschland funktioniert“, erklärte der BVOH-Präsident Oliver Prothmann. An der Umfrage nahmen dem Verband zufolge mehr als 250 Online-Händler teil.

Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi befanden sich am Freitag bundesweit 32.500 Postbeschäftigte im unbefristeten Arbeitskampf. Dadurch gebe es bei der Bearbeitung und Zustellung von Briefen und Paketen bundesweit "erhebliche Rückstaus". Laut Deutscher Post nahmen am Freitag bundesweit 29.560 Mitarbeiter an Streikaktionen teil. Derzeit gewährleiste die Deutsche Post durch „umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen“, dass bundesweit täglich rund 80 Prozent der Briefe und Pakete zeitgerecht ausgeliefert würden, erklärte das Unternehmen.

Erst am Mittwoch hatte Verdi bekannt gegeben, dass die Gewerkschaft wegen des angeblich unzulässigen Einsatzes von Beamten auf Arbeitsplätzen von streikenden Postmitarbeitern erneut vor Gericht zieht. Die mündliche Verhandlung dazu findet am 2. Juli vor dem Arbeitsgericht in Bonn statt. Ende Mai hatte das Gericht ein erstes Gesuch der Gewerkschaft abgelehnt.

Knackpunkt in dem festgefahrenen Tarifkonflikt ist die Gründung von neuen Regionalgesellschaften der Post, in der Beschäftigte deutlich weniger verdienen als im Mutterkonzern. Die Mitarbeiter dort werden nicht nach dem Haustarifvertrag der Post bezahlt, sondern nach den niedrigeren Tarifregelungen der Speditions- und Logistikbranche. Verdi lehnt dies strikt ab und sieht darin einen Bruch früherer Vereinbarungen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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