E-Commerce = Online-Versandhandel = Interaktiver Handel?
Einzelhandel enttäuscht, E-Commerce brummt

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E-Commerce = Online-Versandhandel = Interaktiver Handel?

Aber es ist ein bekanntes Problem in der Branche, dass die Begrifflichkeiten oft unklar definiert sind. Da wird „E-Commerce“ mit „Online-Versandhandel“ gleichgesetzt, mal ist vom „Interaktiven Handel“ die Rede. So weit so unklar. Was beinhaltet also der Begriff E-Commerce? Waren mit oder ohne Dienstleistungen? Digitale Güter oder physische Güter? Sind digitale Güter dann eine Dienstleistung oder werden sie als „Waren“ klassifiziert?

Wir fragen nach beim BVH und erfahren: Zum „Interaktiven Handel“ im Weihnachtsgeschäft 2013 zählt beim BVH der Online-Versandhandel von Waren wie Bücher, Bekleidung oder Spielzeug. In den angegebenen Umsätze enthalten ist der klassische Kataloghandel, also das, was Kunden noch per Fax, Telefon oder dem klassischen Bestellformular kaufen, das Teleshopping-Geschäft und alles, was über die Online-Shops von Händlern gekauft wird. Nicht enthalten sind Umsätze aus dem Dienstleistungsgeschäft, also Downloads und der Online-Kauf von Konzert- oder Theater-Karten. Das, so eine Sprecherin des BVH, werde demnächst nochmal gesondert ausgewiesen.

Dagegen wird unter dem Begriff „E-Commerce“ nur das zusammengerechnet, was einzig und alleine in den Online-Shops der Händler gekauft wird – und zwar inklusive Mehrwertsteuer. Der BVH hat für die Untersuchung rund 40.000 Privatpersonen zu ihrem Online-Konsum befragt und die geben auch das an, was sie tatsächlich bezahlt haben. Andere Institute wie das IFH befragen statt dessen die Händler für ihre Studien zum E-Commerce, die dann ihre Netto-Umsätze angeben – und schon kursieren unterschiedliche Zahlen zum E-Commerce im Netz.

Und bei den Zahlen des Statistischen Bundesamtes geht viel für die Branche verloren: „Wenn ein Unternehmen mit dem Online-Handel „nur“ 30 Prozent umsetzt, was ja eigentlich nicht wenig ist, dann wird alles dem stationären Handel zugeschlagen“, so eine BVH-Sprecherin gegenüber Handelsblatt-Online.

Ein weiteres Problem sei auch das Thema Retouren. „Viele Händler, die befragt werden, nennen keine retourenbereinigte Daten.“ Wenn also von fünf Millionen Euro Umsatz eigentlich wieder zwei Millionen abgezogen werden müssten, weil die Kunden ihre Pakete zurück schicken, ist die Zahl zum E-Commerce dann auch nicht mehr ganz so eindeutig. Der BVH rechnet die Retouren raus und hat sich im Jahr 2007 gegen die Befragung von Händlern entschieden.

Einen Handelsblatt-Schwerpunkt zu den Problemen des Einzelhandels finden Sie im Kaufhaus der Weltwirtschaft unter www.kaufhaus.handelsblatt.com.

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Carina Kontio ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte.
Carina Kontio
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen

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  • Wie denn, wo denn, was denn,
    vor Weihnachten war doch lt "Qualitätsjournaille" Deutschland im größten Kaufrausch aller Zeiten, und nun dass...
    Gut, den Quatsch hat ohnehin keiner geglaubt, aber muß man die Leser so vera....
    Übrigens, die Umsätze sinken seit 15 Jahren, ziemlich analog zu den Einkommen...

  • Abteilung Propaganda

    EinzelhandelWeihnachtsgeschäft lässt bei Händlern die Kassen klingeln
    Dienstag, 24.12.2013, 14:35

  • Es wäre schön, wenn in den Medien endlich einmal die Wahrheit verbreitet würde, statt diese erbärmlichen Lügen über den deutschen Konsum-Boom. Unter der Berücksichtigung der Saison- und Kalendereffekte sind die nominalen Einzelhandelsumsätze um -2,3% gesunken. Die Einzelhandelsumsätze (ohne KFZ-Handel) inklusive dem Versand- und Internet-Einzelhandel machten im Jahr 2012 immerhin 32,6% der privaten Konsumausgaben aus und zeichnen am verlässlichsten das aktuelle Konsumverhalten der privaten Haushalte nach. Mit 16,2% der privaten Konsumausgaben folgten 2012 die Ausgaben für Mieten von Wohnungen und Häusern inkl. dem Miet-Äquivalent von Eigentümern, diese Ausgaben sind aber relativ unelastisch und nicht aussagefähig in Punkto Konsumverhalten. Der KFZ-Handel, Instandhaltung, Reparatur und die Ausgaben an den Tankstellen trugen zu 10,8% der Konsumausgaben der privaten Haushalte bei. Käufe von Immobilien und Grundstücken werden in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nicht unter private Konsumausgaben erfasst, sondern dies sind Investitionen. "Für das Gesamtjahr 2013 stiegen laut Destatis die nominalen Einzelhandelsumsätze um schwächliche +1,4% zum Vorjahr, real sogar nur um +0,1%" (s. http://www.querschuesse.de/deutschland-reale-einzelhandelsumsatze-mit-24/)

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