Easyjet droht mit Klage
Lufthansa-Expansion stößt auf Kritik

Die Kritik am wachsenden Einfluss der Lufthansa im deutschen Flugverkehr wird lauter. Weil sich der Konzern nicht nur die Kontrolle über weitere deutsche Regionalfluglinien sichern will, sondern zunehmend auch um Kapitalbeteiligungen bei Flughäfen und bei der Deutschen Flugsicherung ringt, heben die Wettbewerber warnend den Zeigefinger.

HB FRANKFURT. „Wir befürchten, dass die Europäische Kommission Lufthansa freie Hand lässt und die Übernahme von Eurowings ohne eingehende Prüfung durchwinkt. In diesem Fall werden wir ernsthaft erwägen, den europäischen Gerichtshof einzuschalten“, sagte der Deutschlandchef des britischen Billigfliegers Easyjet, John Kohlsaat, dem Handelsblatt. Er verwies darauf, dass Easyjet bereits die dominante Position von Air France in Frankreich untersuchen lasse und Einspruch gegen die EU-Zustimmung zur Fusion mit der niederländischen KLM erhoben habe. Der Fall werde derzeit in erster Instanz am Europäischen Gerichtshof behandelt, sagte Kohlsaat.

Die EU-Wettbewerbskommission will in dieser Woche entscheiden, ob Lufthansa die Mehrheit der Stimmrechte am einstigen Konkurrenten Eurowings samt dessen Billigflug-Tochter Germanwings übernehmen kann. Bislang hält Unternehmer Albrecht Knauf aus einer fränkischen Baustoffdynastie 51 Prozent des Eurowings-Kapitals, Lufthansa die restlichen 49 Prozent. Branchenexperten sehen jedoch die unternehmerische Kontrolle faktisch bereits seit Jahren bei Lufthansa. Sie verweisen darauf, dass der Kranich-Konzern inzwischen der einzige verbliebene Auftraggeber für die auf Regionalflüge spezialisierte Eurowings ist.

Die in Deutschland expandierende Easyjet rebelliert gegen die Übernahme, weil sie die 2002 gegründete Eurowings-Tochter Germanwings als Schutzschild der Lufthansa im Kampf gegen Billig-Konkurrenz aus dem Ausland wertet: „Lufthansa hat mit Partnern bereits 57 Prozent Marktanteil in Deutschland. Da ist eine eingehende Prüfung angebracht“, sagte Kohlsaat. Germanwings hat Anfang Dezember 18 neue Airbus-Flugzeuge vom Typ A319 bestellt und expandiert derzeit unter anderem in Berlin-Schönefeld, dem wichtigsten Drehkreuz von Easyjet in Deutschland. Eurowings-Eigner Knauf habe Lufthansa-Konzernchef Wolfgang Mayrhuber die unternehmerische Kontrolle nahe gelegt, um nicht das Risiko des Flottenkaufs über rund eine Mrd. Euro tragen zu müssen, hieß es in informierten Kreisen.

Die EU hat ihre Prüfungsfrist in Sachen Lufthansa/Eurowings Anfang des Monats verlängert und den 23. Dezember als neuen Termin genannt. Beobachter rechnen aber damit, dass Brüssel die Übernahme absegnen und nur mit geringen Auflagen versehen wird – etwa der Abgabe von diversen Start- und Landerechten an Wettbewerber.

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