Ebay-Rivalen im Aufwind
„Das klingt, als seien wir schon tot“

Der Druck auf die Internet-Weltmarke Ebay nimmt nach einem märchenhaften Aufstieg zu: Immer mehr Rivalen greifen nach den Ebay-Geschäften, der jugendliche Elan ist längst dahin, Ebay-Aktien haben sich seit ihrem Höchststand Ende 2004 annähernd halbiert. Es scheint, als sei die Geschäftswelt ein Märchen - und Ebay gibt den Hasen, der an jeder Ecke auf Igel trifft.

BOSTON. Die Männer aus dem Vorprogramm nennen sich Twisted Lister – Einheizer einer Hardrock-Band, die die Messebühne im Boston Convention Center beschallen: der Schlagzeuger mit maskiertem Gesicht, der Sänger mit Stahlkappenschuhen und wilder Frisur. Die E-Gitarren schrammeln, das Fachpublikum stellt seine Gespräche für eine halbe Stunde ein. So sieht eine New-Economy-Konferenz aus: schrill, schräg, laut.

Das Kontrastprogramm kommt in Gestalt von Meg Whitman: Als die 50-Jährige unter einem Regenbogen aus Licht die Bühne betritt, kehrt Ruhe ein. Vor gut 4 000 Edelfans des Online-Auktionshauses Ebay steht eine Frau, die ein wenig an die junge Mutter Beimer aus der Lindenstraße erinnert: blondes, zurückgekämmtes Haar, ein fast schüchternes Lächeln, dazu ein etwas steifes, aber herzliches Auftreten. Meg Whitman ist ein Star wider Willen, seit vielen Jahren schon.

Man will diesem Ausbund an Freundlichkeit ja weiß Gott nicht zu nahe treten, aber die Speerspitzen der New Economy haben bei wichtigen Anlässen schon Modischeres getragen als diese cremefarbene Bundfaltenhose, mit der die Ebay-Regentin und Mutter zweier erwachsener Söhne vor die Öffentlichkeit tritt. Auf der anderen Seite passt es ja ins Bild: Ebay und der Flohmarkt-Hype im Internet – das ist eine Weile her: „Zwölf Jahre nach unserem Start sind wir erwachsen geworden“, ruft Meg Whitman ins Publikum.

Die Wall Street sieht das auch so – leider: Der jugendliche Elan ist längst dahin, Ebay-Aktien haben sich seit ihrem Höchststand Ende 2004 annähernd halbiert – trotz robuster Gewinne und einer operativen Marge von zuletzt 33 Prozent. In der gleichen Zeitspanne haben Investoren den Suchmaschinen-Genius Google bis in unheimliche Sphären befördert: Heute wird Google an der Börse mit 158 Mrd. Dollar fast viermal so hoch bewertet wie Ebay.

Dass aus den ehemals engen Partnern im Silicon Valley über die Jahre verbissene Konkurrenten geworden sind, hat die Situation im Ebay-Hauptquartier San Jose nicht entspannt: In der Vorwoche holte die Firma ihre Werbeanzeigen von der amerikanischen Google-Webseite, weil der Rivale den Ebay-Messeauftritt mit einer Konkurrenzveranstaltung stören wollte – zufälligerweise ebenfalls in Boston. Zwar blies Google seine geplante „Freedom Party“ in letzter Minute ab. Die Schlagzeilen über den „Kleinkrieg der Internetgiganten“ waren da aber längst gedruckt.

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