Edeka-Deal auf der Kippe
Tengelmann setzt alles auf eine Karte

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub will den Verkauf seiner Supermärkte an Edeka mit aller Kraft durchboxen – obwohl Konkurrenten Interesse anmelden. Doch dem Handelskonzern sollen gar keine Angebote vorliegen.

DüsseldorfDas Fell des Bären scheint schon verteilt, bevor er überhaupt erlegt ist. Zahlreiche Handelsunternehmen aus dem In- und Ausland bekunden öffentlich Interesse an Teilen der Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann – falls die geplante Komplettübernahme durch Edeka scheitert. Dabei setzen die beiden Unternehmen noch alles daran, dass ihr Deal gelingt.

Und ganz so ernst scheint es auch vielen Konkurrenten nicht mit dem Kauf von Kaiser’s-Tengelmann-Standorten zu sein. Wie das Handelsblatt aus Tengelmann-Kreisen erfuhr, soll bisher keiner der Interessenten eine konkrete Anfrage beim Verkäufer gestellt oder gar ein Angebot für Filial-Pakete abgegeben haben. Nur Rewe habe vor dem Abschluss des Vertrags mit Edeka ein indikatives Angebot für die gesamte Kette vorgelegt. Lionel Souque, im Rewe-Vorstand verantwortlich für das Supermarktgeschäft in Deutschland, betont: "Ich persönlich habe Herrn Haub bereits im Februar 2014 im direkten Gespräch das Interesse der Rewe an einer vollständigen Übernahme des Unternehmens Kaiser’s Tengelmann mitgeteilt." Das habe er in der Folge mehrfach wiederholt und auch schriftlich dokumentiert. Tengelmann hat das damals abgelehnt, nach Darstellung des Unternehmens, weil die Verhandlungen mit Edeka schon zu weit fortgeschritten gewesen seien.

Dazu kommt: Auch bei Tengelmann scheint der Plan B nach einem möglichen Scheitern des Komplettverkaufs bisher keine Priorität zu haben. Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub kümmert sich seit Wochen persönlich darum, den Deal mit Edeka gegen alle Widerstände durchzuboxen. Die strategischen Planungen für Alternativszenarien dagegen hat er in eine Arbeitsgruppe im Unternehmen delegiert, heißt es.

Dabei kommt die Stunde der Wahrheit für Tengelmann und Edeka schon in wenigen Wochen. Nachdem sowohl das Kartellamt als auch die Monopolkommission die Übernahme abgelehnt haben, hängt es nun an Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Denn die beiden Unternehmen haben für ihr Vorhaben eine Ministererlaubnis beantragt.

Täglich werden im Bundeswirtschaftsministerium die Stellungnahmen der Länder Berlin, Bayern und Nordrhein-Westfalen erwartet. In diesen drei Regionen ist Kaiser’s Tengelmann mit Märkten präsent. Gegen Ende September folgt noch eine öffentliche Anhörung, für die der konkrete Termin noch nicht feststeht. Und dann dürfte Gabriel rasch entscheiden.

Noch setzen die Unternehmen alles auf eine Karte. Es bestehe ein Kaufvertrag und an den wolle man sich halten, so lange die Hoffnung besteht, dass es für die Übernahme eine Genehmigung gibt, heißt es unisono bei Edeka und Tengelmann. Haub soll es deswegen auch ablehnen, sich parallel aktiv um Alternativangebote für Teile der defizitären Supermarktkette zu bemühen. Er hat nur mehrfach pauschal gesagt, dass eine Zerschlagung die einzige Möglichkeit sei, wenn Gabriel die Erlaubnis verweigere.

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Tengelmann setzt alles auf eine Karte

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Koop, Tegut und Rewe zeigen öffentlich Interesse

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