Edeka legt Jahresbilanz vor

Einzelhändler greift die Industrie an

Die Übernahme von Kaiser's-Tengelmann mischt die Einzelhandelsbranche gehörig auf. Supermarkt-Marktführer Edeka wird dadurch noch größer. Warum Chef Markus Mosa Eigenmarken zulasten der Konsumgüterkonzerne stärken will.
„Wir stehen im Wettbewerb, die attraktivsten Produkte vom Preis-Leistungs-Verhältnis ins Sortiment zu bringen – auch im Wettbewerb mit der Industrie“, sagte der Edeka-Chef. Quelle: dpa
Markus Mosa

„Wir stehen im Wettbewerb, die attraktivsten Produkte vom Preis-Leistungs-Verhältnis ins Sortiment zu bringen – auch im Wettbewerb mit der Industrie“, sagte der Edeka-Chef.

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Edeka-Chef Markus Mosa will die Marken-Hersteller weiter mit eigenen Produkten unter Druck setzen. „Wir stehen im Wettbewerb, die attraktivsten Produkte vom Preis-Leistungs-Verhältnis ins Sortiment zu bringen – auch im Wettbewerb mit der Industrie“, sagte Mosa am Dienstag bei der Vorlage der Bilanz.

Die Kunden akzeptierten immer seltener, dass gleichartige Produkte wie Kartoffelchips einen deutlichen Aufpreis hätten, nur weil sie in der Tüte eines Markenherstellers steckten statt in der Edeka-Verpackung. Zugleich verdient Edeka an Eigenmarken meistens mehr als an Drittprodukten.

Der Ausbau von höherwertigen Eigenmarken sei ein Grund dafür, dass der Edeka-Gewinn – ohne dem Anteil, der den selbstständigen Kaufleuten zusteht – um 22 Prozent auf 420 Millionen Euro gewachsen sei. Getrieben wurde das Ergebnisplus allerdings zu etwa zwei Dritteln durch Sondereffekte, wie etwa bei der Steuer und bei der Auflösung von Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten mit dem Bundeskartellamt. Der Umsatz legte um 2,7 Prozent auf 48,4 Milliarden Euro zu.

Das Ende eines deutschen Wirtschaftswunders
Wo alles begann
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1880 tritt Josef Kaiser in das elterliche Kolonialwarengeschäft in Viersen ein. Gekauft und verkauft wird, was für den Lebensunterhalt notwendig ist: Salz, Zucker, Mehl und Grieß. Kaffee wird nur von gut betuchten Kunden gekauft, die ihn zu Hause selbst rösten.

Frisch gerösteter Kaffee
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1882 bietet Josef Kaiser seinen Kunden den ersten selbst gerösteten Kaffee an. Die Vorteile: Das Aroma ist besser und er ist in unterschiedlichen Mischungen und Qualitäten erhältlich. Geröstet wird der erste Kaffee in einer Röstpfanne auf einem gusseisernen Herd im eigenen Geschäft. Schon bald reicht das nicht mehr aus. Die Industrialisierung bringt Wohlstand. Der Kaffeekonsum in Deutschland steigt.

Geschwindigkeitspionier
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Josef Kaiser baut ein Filialnetz auf. 1889 besitzt Kaiser´s bereits 253 Niederlassungen. Schwerpunkt: das aufstrebende Ruhrgebiet, das Rheinland sowie Südwestdeutschland. Um die Belieferung aller Filialen zu gewährleisten, setzt Kaiser´s als eines der ersten deutschen Unternehmen „schnelle“ Lastautos ein. Deren Spitzengeschwindigkeit beträgt zwölf Stundenkilometer. Eine Kutsche braucht doppelt so lange.

Der Patron
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1899 wird Josef Kaiser Hauptgesellschafter und Geschäftsführer der Kaiser´s Kaffee-Geschäft GmbH. Ab sofort bestimmt er die zukünftige Entwicklung seines eigenen Unternehmens. Die Marschrichtung ist klar: weiteres Wachstum. 1910 ist Kaiser´s das größte Kaffeegeschäft Deutschlands und besitzt 1.250 Filialen – mehr als seine beiden größten Konkurrenten Buchthals Kaffeemagazin, Dortmund (500 Filialen) und Emil Tengelmann, Mühlheim/R. (400 Filialen) zusammen.

Die lachende Kaffeekanne
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Josef Kaiser hat die Idee eine Kaffeekanne als Firmenlogo einzusetzen. Paul Böhm modifiziert sie 1904 zur lachenden Kaffeekanne. Sie wird zum Markenzeichen aller Kaiser´s Filialen. 1914 entwickelt Prof. Peter Behrens (Mitglied des deutschen Werkbundes) die heutige Form der lachenden Kaffeekanne.

Belegschaft der Schokoladenfabrik und Bäckerei in Viersen
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1912 stehen 3.810 Mitarbeiter bei Kaiser´s in Lohn und Brot. Für die macht Josef Kaiser viel: Es existieren eine Betriebs- und Unterstützungskrankenkasse, sowie eine Altersvorsorge- und Geschäftssparkasse. 1910 gründet Kaiser´s die Julie-Kaiser-Stiftung für Wöchnerinnen.

Erster Weltkrieg
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Im Krieg verliert das Unternehmen rund 200 Filialen. Andere werden stark zerstört.

Edeka verdiene auch deshalb besser als zuvor, weil der Händler Kunden dazu bewege, von Markenartikeln auf Edeka-Produkte umzusteigen, sagte Mosa. Zudem packten immer mehr Kunden Artikel der höherwertigen „Edeka“-Eigenmarken statt die des Billiglabels „Gut & Günstig“ in den Einkaufwagen.

Edeka baut dafür seit einigen Jahren die eigene Produktion aus, stellt im Jahr inzwischen rund 550 Millionen Brötchen-Backlinge in einer eigenen Fabrik her.

Als nächstes hat Mosa den Molkerei-Bereich im Visier: Hier unterstützt er eine Initiative des Kartellamts, die Exklusivverträge der Molkereien mit ihren Bauern zu untersuchen. Edeka zahle kleineren Betrieben inzwischen einen Aufpreis für die Milch, um sie vor der Konkurrenz der drei großen Anbieter DMK, Friesland-Campina und Arla zu schützen, sagte Mosa. Zudem habe sich Edeka an einem Investitionsprojekt einer Allgäuer Molkerei beteiligt – und im Gegenzug Mehrjahresverträge für Quark abgeschlossen.

Tatsächlich dürfte Edeka jedoch von den niedrigen Agrarpreisen profitieren. Die Bauernverbände beklagen, dass die Preise, die Landwirte für Milch und Fleisch erzielen, stärker gesunken sind als die Endverbraucherpreise. Supermärkte wie Marktführer Edeka bauen also ihre Spannen aus.

Warum der Preisdruck steigt
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