Edeka, Rewe, Aldi
Wer den Veggie-Boom wirklich anheizt

Mehr als ein Drittel der Haushalte in Deutschland reduziert inzwischen bewusst den Fleischkonsum. Supermärkte und Discounter haben den Trend für sich entdeckt und locken mit Soja-Filetsteaks und Veggie-Gulasch.

NürnbergVegane oder vegetarische Lebensmittel vom Soja-Schnitzel bis zur Veggie-Grillwurst nehmen immer mehr Platz in den Regalen der deutschen Supermärkte ein. „Der Markt boomt und ein Ende ist nicht in Sicht“, urteilt das Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) in einer Studie.

Doch angeheizt wird der Siegeszug der fleischlosen Produkte nicht in erster Linie von der wachsenden Zahl überzeugter Vegetarier oder Veganer. „Die eigentlichen Träger des Veggie-Booms in Deutschland“ seien die sogenannten Flexitarier: Verbraucher die zwar ihren Fleischkonsum reduzieren, aber durchaus nicht völlig auf den Genuss eines Steaks oder einer Bratwurst verzichten wollen, berichtet die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK).

Mehr als ein Drittel der Haushalte in Deutschland reduzieren nach Angaben der Marktforscher inzwischen bewusst den Verzehr von Fleisch. Vor allem in der Altersgruppe der über 50-Jährigen wachse die Zahl der Flexitarier. Ein wichtiger Grund dafür sei die Sorge um die eigene Gesundheit. Vegetarier finden sich dagegen laut GfK nur in jedem 20. Haushalt.

Kein Wunder also, dass inzwischen Supermärkte und Discounter den Trend für sich entdeckt haben und ihr Angebot an vegetarischen und veganen Produkten Schritt für Schritt ausbauen. Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka etwa bietet in seiner Eigenmarkenlinie „Bio und vegan“ längst Soja-Filetsteaks ohne Fleisch und Salatmayonnaise ohne Ei an. Konkurrent Rewe hat unter anderem veganes Soja-Eis und Chili sin Carne im Programm. Aldi Süd lockt mit „Bio Veggie Gulasch“, Aldi Nord mit „Veggie-Bolognese“. Und Konkurrent Lidl offeriert unter der Eigenmarke „My best Veggie“ unter anderem Soja-Frikassee und vegetarische Minifrikadellen.

Auch immer mehr Wurst- und Fleischwarenproduzenten entdecken die Nische für sich. Einer der Vorreiter ist dabei der Wurst-Markenartikler Rügenwalder Mühle, der inzwischen nach eigenen Angaben fast 20 Prozent seines Umsatzes mit fleischlosen Produkten macht. Für das niedersächsische Unternehmen steht fest, dass der Trend zur vegetarischen Ernährung mehr ist als ein kurzlebiger Hype.

Doch auch für viele andere Markenhersteller wie Wiesenhof, Meica oder den Bärchenwursthersteller Reinert scheint ein Veggie-Angebot inzwischen ein Muss. Reinert etwa will im August seine erste vegetarische Kinderwurst auf den Markt bringen.

Dabei sind die Umsätze mit veganen und vegetarischen Lebensmitteln insgesamt noch eher gering. Laut IFH machen sie aktuell gerade 0,6 Prozent des Lebensmittelmarktes ohne Tabakwaren aus. Aber die Zahl der Vegetarier, Veganer und Flexitarier wächst kontinuierlich. Rügenwalder-Eigentümer Christian Rauffuss ist deshalb überzeugt, dass man den Trend nicht unterschätzen darf. „Wir werden wohl die erste und letzte Generation sein, die jeden Tag Fleisch auf dem Teller hat“, meint er.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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