Edeka schluckt Kaiser's: Vom Kaiser zum Bettelmann

Edeka schluckt Kaiser's
Vom Kaiser zum Bettelmann

Die Übernahme durch Edeka beendet die wechselvolle Geschichte des Traditionsunternehmens Kaiser's Tengelmann. Ein Lehrstück über Aufstieg und Fall einer Ikone des deutschen Einzelhandels.

DüsseldorfWirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte nur ein Ziel: Mit seiner Erlaubnis für die Fusion von Edeka mit der angeschlagenen Supermarktkette Kaiser's Tengelmann will er 16.000 Arbeitsplätze sichern. Doch zugleich bedeutet diese Entscheidung das Ende einer der traditionsreichsten deutschen Handelsmarken. Denn das berühmte Logo mit der Kaffeekanne von Kaiser's wird mit der Übernahme für immer verschwinden.

Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen, in einer Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs: 1880 übernimmt Josef Kaiser das elterliche Kolonialwarengeschäft in Viersen und baut es sukzessive zu einem Kaffeegeschäft aus. Anders als die Konkurrenz setzt er dabei auf ein überregionales, standardisiertes Filialnetz, in dem er vor allem Kaffee in verschiedenen Preislagen, aber stets zu gleicher Qualität anbieten kann – und hat damit Erfolg: 1910 ist Kaiser´s das größte Kaffeegeschäft Deutschlands und besitzt 1.250 Filialen – mehr als seine beiden größten Konkurrenten Buchthals Kaffeemagazin, Dortmund (500 Filialen) und Emil Tengelmann, Mühlheim an der Ruhr (400 Filialen) zusammen.

Worin aber liegt dieser Erfolg? Kaiser´s konzentriert sich voll und ganz auf den Absatz von Röstkaffee und setzt ganz fortschrittlich auf Standardisierung und Werbung: Filialen liegen nach Möglichkeit an den Hauptstraßen der Innenstädte, als sichtbares Erkennungszeichen tragen sie großflächige Emaille-Schilder, die den Unternehmensnamen in einem einheitlichen Schriftzug, sowie das Firmenlogo, die lachende Kaffeekanne, zeigen. 1904 eingeführt, schmückt sie auch heute noch alle Kaiser´s Märkte. Der Aufbau der Marke „Kaiser´s Kaffee“ funktioniert: 1913/1914 machen Kaffee und Tee fast 59 Prozent des Unternehmensumsatzes aus.

Doch der Erste Weltkrieg, der im August 1914 beginnt, änderte alles. Nach Fortfall der Rohstoffimporte durch die britische Seeblockade muss Kaffee – wie alle Nahrungsmittel – durch Verbrauchssenkungen eingespart oder durch Beimischung anderer Stoffe gestreckt werden. Es entsteht Ersatzkaffee – bekannt als Muckefuck – der zum Teil mit Bucheckern, Eicheln oder Kastanien gemischt wird. Kaiser´s gelingt es, sich auf dem Feld der Ersatzstoffbeschaffung zu behaupten – wenn auch mit Einbußen. Knapp 200 Filialen gehen im Ersten Weltkrieg verloren.

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