Edeka-Tengelmann-Fusion
Rewe will Übernahme von Kaiser's verhindern

Rewe will die geplante Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka verhindern. Rewe-Chef Caparros hat selbst Interesse. Die beste Lösung sei aber die Übernahme durch ein drittes Unternehmen.
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KölnDer Handelsriese Rewe will die Übernahme der Lebensmittelkette Kaiser's Tengelmann durch den Erz-Rivalen Edeka mit allen Mitteln verhindern. „Der Größte am Markt würde damit weiter gestärkt und der Abstand zum Wettbewerb ausgebaut“, kritisierte Rewe-Chef Alain Caparros in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters: „Ich muss dafür kämpfen, dass Edeka Kaiser's nicht bekommt.“ Notfalls werde er auch juristische Möglichkeiten ausschöpfen. Die beste Lösung – auch für den Wettbewerb – wäre für Caparros jedoch der Einstieg eines dritten Unternehmens, das auch aus dem Ausland stammen könnte. Sollte das Bundeskartellamt die Übernahme durch Edeka untersagen, wäre Rewe bereit, sich in die Bresche zu werfen. Rewe wolle dann auch die Arbeitsplätze sichern.

Das Kartellamt hatte im Februar massive Bedenken gegen eine Übernahme von Kaiser's Tengelmann mit 451 Supermärkten und rund 16.000 Mitarbeitern durch Branchenprimus Edeka signalisiert und deutlich gemacht, dass es die Pläne nach derzeitigem Stand untersagen würde. Edeka hatte bis (zum heutigen) Donnerstag Zeit, auf die Bedenken zu reagieren. Der Händler könnte nun um eine Fristverlängerung bitten und den Wettbewerbshütern Zugeständnisse anbieten – etwa den Verkauf einzelner Märkte. Edeka wollte sich mit Rücksicht auf das laufende Verfahren nicht äußern.

Edeka kann aber nicht darauf setzen, dass Rewe dabei Schützenhilfe leistet: Rewe werde nicht den Staubsauger für einzelne Filialen spielen, damit Edeka am Ende den Zuschlag für Kaiser's erhalte, machte Caparros deutlich: „Einzelteile von Kaiser's wären immer willkommen, aber nur, wenn dadurch Edeka nicht den Zuschlag für den Hauptteil bekommt. Wir wollen nicht die Krümel auflesen.“ Rewe ist nicht der einzige Einzelhändler, der Interesse an den Tengelmann-Filialen angemeldet hat. Auch Kaufland hatte sich schon zu Wort gemeldet.

„Es wäre ungesund für den Wettbewerb, wenn Edeka Kaiser's übernehmen dürfte“, bilanzierte Caparros. „Wir sind zwar die Nummer Zwei in Deutschland, aber ein Vergleich mit Edeka ist, als würde man Birnen mit Äpfeln vergleichen.“ Edeka habe eine doppelt so große Verkaufsfläche, eine große Marktmacht und einen Marktanteil von über 25 Prozent, Rewe von 15 Prozent. Rewe spielt seine eigene Macht im Markt damit ziemlich herunter. Das Kartellamt hat nämlich längst nicht nur Edeka im Visier, sondern alle vier großen Handelsketten – neben Edeka sind das Aldi, die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) und eben Rewe.

Zudem sei Kaiser's kein zweiter Schlecker-Fall, spielte Caparros auf eine Möglichkeit an, die Übernahme durch eine Sondergenehmigung, eine Ministererlaubnis, zu erreichen. „Die Strategie, Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel als Trauzeuge für diese Hochzeit zu nehmen, ist durchsichtig.“ Kaiser's habe ein gutes Filialnetz, das profitabel geführt werden könne. Und es sei einiges investiert worden: „Der Vergleich zu Schlecker ist völlig unpassend.“

Es sei auch abwegig zu argumentieren, dass 16.000 Arbeitsplätze verloren gingen, wenn Edeka Kaiser's nicht übernehmen dürfte, kritisierte der Rewe-Chef. „Wir haben niemals gesagt, dass wir der weiße Ritter sind. Aber wir haben gesagt, wenn es hart auf hart kommt und das Kartellamt die Übernahme durch Edeka nicht genehmigt, dann stehen wir bereit und sichern die Arbeitsplätze.“ Rewe würde alle Mitarbeiter übernehmen, auch in der Zentrale, der Logistik und der Produktion, und stünde bei einer Insolvenz ebenfalls bereit.

Er gehe davon aus, dass Edeka für den Fall der Untersagung einen Plan B habe. „Und wenn dieser Plan B zum Ergebnis hat, dass Edeka weniger von Kaiser's bekommt, dann wäre auch das schon ein Erfolg“, sagte Caparros. Die beste Lösung wäre und bliebe aber die Übernahme durch einen Dritten. Es gebe sicherlich ein bis zwei Investoren, die großes Interesse hätten. „Ich könnte mir beispielsweise vorstellen, dass Kaiser's gut zur Schweizer Migros passen könnte, die die Läden mit der zugekauften Kette tegut verknüpfen könnte.“ Rewe hatte zunächst sogar eine Klage gegen die Übernahme angekündigt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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