Edeka verbündet sich beim Einkauf mit französischer ITM und spanischer Eroski
Auf Shopping-Tour

Edeka übernimmt Spar. Damit entsteht ein neuer Gigant auf dem deutschen Lebensmittelmarkt. Edeka vergrößert seinen Vorsprung gegenüber den wichtigsten Konkurrenten und festigt seine Position als Nummer eins. Die Marke Spar könnte komplett verschwinden.

cs/tak/tel FRANKFURT/M. Beim Wettlauf um den günstigsten Einkaufspreis haben Deutschlands Handelskonzerne ein scheinbar vergessenes Instrument wiederentdeckt: die strategische Allianz. Durch den gemeinsamen Einkauf mit dem Wettbewerber, so das Kalkül, hofft man, den Lieferanten weitere Zugeständnisse abringen zu können. „Solche Kooperationen sind viel leichter beim Kartellamt durchzusetzen als Fusionen“, sagt der Bad Homburger Handelsberater Volker Dölle.

Vor wenigen Tagen erst kaufte der Drogeriefilialist dm der Rewe-Gruppe die notleidende Tochter Idea ab, um sich im Gegenzug mit dem Kölner Handelskonzern auf einen gemeinsamen Wareneinkauf zu verständigen. Nun kommt es in Hamburg zu einem ähnlichen Deal: Edeka erlöst den französischen Handelskonzern ITM von seinem Spar-Debakel, anschließend wird Deutschlands größter Lebensmittelhändler in den europäischen Einkaufsbund Alidis aufgenommen, dem neben ITM auch die spanische Eroski-Gruppe angehört. Gemeinsam legen die drei 75 Mrd. Euro Umsatz auf die Waagschale.

„Wir bringen auf diese Weise die Industrie zu anderen Kostensätzen, die wir dann weitergeben an unsere Endverbraucher“, kündigte Edeka-Chef Alfons Frenk gestern an. Und auch Herbert Kuhn von der Unternehmensberatung M+M Eurodata in Frankfurt ist sicher: „Der Druck auf die Herstellerunternehmen wird zunehmen.“

Schon jetzt schlägt der Markenverband Alarm: Die Vereinigung der Hersteller appellierte gestern an die Politik, die geplanten Verschärfungen der Missbrauchsaufsicht bei der anstehenden Kartellgesetz-Novelle nicht in Frage zu stellen.

Ob Edekas Plan aufgeht, ist indes unklar. „Grenzüberschreitende Allianzen waren bislang nie viel wert“, resümiert Dölle. Weil die meisten Markenartikler über ihre nationalen Vertriebsorganisationen verkaufen, ändert sich für sie zunächst wenig. Nicht einmal zwischen den französischen ITM-Supermärkten und Spar gab es in den vergangenen Jahren Synergien.

Hinzu kommt: Verlangen die Kooperationspartner von ihren Lieferanten jeweils den besten ausgehandelten Preis, dürfte schon bald das Kartellamt einschreiten. Den Vorteil der Edeka durch die Kooperation mit ITM schätzt Dölle deshalb auf gerade einmal 0,5 Prozentpunkte vom Einkaufspreis.

Mit ITM – in Frankreich nach Carrefour immerhin die Nummer zwei – zieht sich nun erneut ein ausländischer Handelsriese vom deutschen Markt zurück. Zuletzt hatten Marks & Spencer sowie der weltgrößte Modehändler Gap aufgegeben. Auch Wal-Mart schreibt seit dem Markteintritt 1997 in Deutschland rote Zahlen. Die Amerikaner hatten damals unter anderem die SB-Warenhäuser von Spar übernommen.

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