Edelmarke „Mitch & Co.“
Tchibo floppt mit Premium

Das neue Verkaufskonzept von Tchibo sollte ursprünglich die Umsatzrückgänge des Hamburger Filialisten stoppen. Doch die teure Designerware von Edelschneider Michael Michalsky, die seit Juni unter der Marke „Mitch & Co.“ in den Läden ausliegt, lässt Schnäppchenjäger kalt.

DÜSSELDORF. Wie Vertriebsmanager dem Handelsblatt berichten, kommt die teure Designerware, die seit Juni unter der Marke „Mitch & Co.“ in den Läden ausliegt, bei der Kundschaft deutlich schlechter an als erhofft. „Die Leute verstehen offenbar nicht, weshalb sie für scheinbar gewöhnliche T-Shirts deutlich mehr bezahlen sollen als gewohnt“, erzählt ein Bezirksleiter. Der Name des Berliner Designers Michael Michalsky sei zudem nur mäßig bekannt.

Das Designer-Konzept sollte in den Tchibo-Geschäften eigentlich den Umschwung bewirken. Seit zwei Jahren fallen dort die Umsätze, mit der unter Schnäppchen-Jägern beliebten Tchibo-Eigenmarke TCM kommt der Hamburger Handelskonzern schon lange nicht mehr auf die Wachstumsraten der Vergangenheit. Die Hamburger leiden unter der Konkurrenz der Discounter, die das Tchibo-Konzepz kopiert haben. Mit seinem kombinierten Kaffee- und Gebrauchswarenkonzept hatte Tchibo den Handel vor zehn Jahren aufgeschreckt und lange Zeit gut verdient. Nur noch ein Drittel des Umsatzes kommt heute aus dem klassischen Kaffeegeschäft. In 1 200 Filialen erwirtschaften 12 000 Mitarbeiter einen Jahresumsatz von knapp vier Mrd. Euro.

Auch Unternehmensberatern sind Tchibos Schwierigkeiten bekannt. „Die Zentrale musste Ware aus den Filialen zurücknehmen“, bestätigt ein Firmeninsider. Entsprechend stapeln sich nun die hochpreisigen Modeartikel des Stardesigners Michalsky in den Lägern des Kaffeerösters – genauso wie vor kurzem noch billige Badelatschen und Rasierspiegel. Üblicherweise werden die Artikel anschließend über rund 25 Restemärkte („Tchibo Prozent“) mit deutlichen Preisabschlägen verramscht. Der Bedarf der Deutschen an vermeintlich praktischen Haushaltsartikeln, Werkzeugen und Heimtextilien scheint zunehmend gesättigt. „Niemand braucht eine dritte Bohrmaschine“, lästert etwa der Kölner Marktforscher Ulrich Eggert.

Bei Tchibo gingen deshalb nicht nur die Umsätze zurück, im ersten Halbjahr 2007 brachen auch die Erträge ein. Das Betriebsergebnis (Ebit) halbierte sich gegenüber dem ersten Halbjahr 2006 auf 45 Mill. Euro. Der zuvor noch gefeierte Holding-Vorstandschef Dieter Ammer trat sein Amt vorzeitig im Mai 2007 an Arno Mahlert ab. In der Misere engagierten die Hamburger den 40-jährigen Michalsky. Der Modedesigner, so das Kalkül, sollte das Image der Schnäppchenkette deutlich nach oben ziehen – ein Plan, der zunächst einmal fehlgeschlagen ist.

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