Ehemalige Staatskonzerne
Die Last der Vergangenheit

Die ehemaligen Staatskonzerne setzen sich gegen die Ansprüche ihrer Beamten zur Wehr. Der Kampf, den die Telekom jetzt mit den Gewerkschaften führt, könnte der Post noch bevorstehen. Nur die Deutsche Bahn profitiert von einer Sonderregelung.

DÜSSELDORF. 13 Jahre ist es her, dass Deutsche Bahn, Deutsche Post und Deutsche Telekom den Startschuss zur Privatisierung erhielten. Doch die Relikte der einstigen Staatswirtschaft lasten ausgerechnet auf dem High-Tech-Konzern Deutsche Telekom am schwersten. Die Bonner bekommen, derzeit, was die Personalpolitik betrifft, den meisten Gegenwind. Das Unternehmen kämpft noch heute mit den alten Strukturen. Im Kern geht es um die im Vergleich zu Konkurrenten höheren Gehälter der Telekom-Beschäftigten, die zu einem großen Teil Beamte sind. Bei den ehemaligen Schwestern Post und Bahn hat es – anders als bei der Telekom – noch keinen größeren Konflikt mit den Gewerkschaften gegeben. Das liegt an anderen Startbedingungen und den unterschiedlichen Märkten.

Eine wesentliche Gemeinsamkeit der drei Konzerne ist der hohe Anteil von Beamten, die einen besonderen Schutz genießen. So können die Unternehmen Staatsdiener weder entlassen, noch deren Bezüge kürzen. Keine Probleme damit hat die Deutsche Bahn. Die Bezüge ihrer Beamten zahlt die vor der Privatisierung neu geschaffene Behörde Bundeseisenbahnvermögen. Die Bahn zahlt für ihre Beamten nur arbeitsmarktübliche Vergütungen an die Behörde. Telekom und Post hat der Bund hingegen zum Dienstherrn ihrer Beamten gemacht. Das heißt, beide Unternehmen zahlen deren Gehälter selbst, obwohl die Bundesregierung über deren Höhe entscheidet. Im zunehmend schwierigen Inlandsgeschäft treibt das die Telekom in die Enge.

Der Markt für Telekommunikation ist bereits seit 1998 liberalisiert, die Preise für Telefongespräche fallen seitdem in den Keller. Die Telekom hat bislang jährlich 10 000 Stellen abgebaut und dabei auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet.

Nun gerät der Konzern aber zunehmend unter Druck. Im klassischen Festnetz verlieren die Bonner massenweise Kunden. Sie wechseln zu den meist preiswerteren Konkurrenten, telefonieren über das Internet oder nur noch mit dem Handy. Um die Kosten zu senken, will der neue Konzernchef René Obermann 50 000 Service-Mitarbeiter in neue Einheiten ausgliedern und sie dazu bewegen, für weniger Geld länger zu arbeiten. Doch darüber ist ein handfester Streit mit der Gewerkschaft entbrannt, der am gestrigen Donnerstag erneut zu Warnstreiks führte.

Die Deutsche Post hat eine solche Auseinandersetzung womöglich noch vor sich. Ab 2008 muss sie sich im Briefgeschäft, das zuletzt zwei Drittel des Konzernertrags lieferte, wahrscheinlich dem ungehinderten Wettbewerb privater Anbieter stellen. Bleibt es beim ungleichen Lohnniveau zwischen den Briefträgern der Post und ihrer Konkurrenten, könnte die tarifpolitische Gangart nach Auskunft eines Post-Sprechers rauer werden. Außerdem müsse die Politik verhindern, dass der deutsche Briefmarkt wie geplant ein Jahr früher liberalisiert werde als in den meisten übrigen Ländern Europas, forderte der Sprecher. Für den Fall, dass beides nicht gelingt, hat Post-Chef Zumwinkel bereits 30 000 Arbeitsplätze zur Disposition gestellt.

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