Eidgenössische Weinbauern wollen ihren Absatz in Deutschland steigern und ihr Image als Hochpreisanbieter loswerden
Schweizer Winzer hoffen auf Discounter

Die Schweizer Weinbauern wollen ihren Absatz im Ausland steigern. Die Marketingorganisation Swiss Wine Communication, in der sich die Winzer mit Unterstützung des Bundeslandwirtschaftsministeriums in Bern zusammengeschlossen haben, plant in diesem Jahr insbesondere in Deutschland deutlich mehr Flaschen abzusetzen.

HB WINTERTHUR. „Die Schweiz soll im Ausland als eine Weinnation wahrgenommen werden“, sagt Jürg Bussmann, Direktor von Swiss Wine Communication. Haupttreiber des Geschäfts soll der Vertrieb über Discounter werden. Auf diese Weise wollen die Eidgenossen vor allem ihr Image als Anbieter von hochpreisigem Wein loswerden.

Im vergangenen Jahr war es den Schweizern zum ersten Mal gelungen, als Lieferant für Aldi-Süd ins Geschäft zu kommen. Die Walliser Weinhandelsfirma Caves Orsat brachte je 300 000 Flaschen weißen „Fendant“ und roten „Dole“ in die Regale des Discounters. Sie waren für 3,99 Euro zu haben, was für die Schweizer, deren wichtigstes Preissegment bislang bei zehn Euro und mehr gelegen hatte, einem Kampfpreis gleich kommt. Für Aldi, wo die Flasche im Durchschnitt 2,06 Euro kostet, gehörte der gute Tropfen aus der Schweiz aber bereits zum gehobenen Angebot. In diesem Jahr soll die Menge gesteigert und auch Aldi-Nord beliefert werden.

Insgesamt ist der Exportanteil zwar noch gering. Pro Jahr produziert die Schweiz rund 1,16 Mill. Hektoliter Wein – etwa je zur Hälfte Weiß- und Rotwein. Über 98 Prozent davon werden noch auf dem Heimatmarkt abgesetzt.

Der Aufwärtstrend hält aber an: Bereits in den ersten drei Monaten diesen Jahres exportierte die Schweiz 18 Prozent mehr Wein als im Vorjahreszeitraum. Beim Rotwein landeten vier von fünf exportierten Flaschen in Deutschland. Knapp 300 000 Liter wurden im ersten Quartal ins Ausland exportiert. Nach Hauptabnehmer Deutschland liegt Belgien an zweiter Stelle. Beide Länder sollen in der jetzt beschlossenen Verkaufskampagne deshalb im Mittelpunkt stehen.

Thomas Wettach, Geschäftsführer der Volg Weinkellereien in Winterthur, größter Einkellerer von Trauben aus dem deutsch-schweizer Raum, räumt ein, dass die Initiative der Schweizer reichlich spät kommt. Das Land muss sich in Regalen deutscher Händler nicht nur gegen europäische, sondern auch südafrikanische, amerikanische und australische Konkurrenten behaupten. Doch Wettach verweist auf die späte Liberalisierung des Schweizer Weinmarktes. Erst seit dem Jahr 2001 können die Schweizer ihre Weine unbegrenzt exportieren und auch eine kontingentierte Menge von 170 Mill. Litern importieren. „Seither mussten wir innovativ werden“, stellt Wettach fest. Mengenbeschränkungen, wie sie in anderen Weinbaunationen längst existieren, sollen inzwischen auch in der Schweiz dazu führen, die Qualität zu erhöhen. „Die Zeiten, in denen wir bis zur Schneegrenze anbauten, sind vorbei.“

Was den Eidgenossen allerdings noch nicht gelungen ist, ist die einheitliche Qualitätsbezeichnung ihrer Weine. Jeder Kanton erlässt noch seine eigenen Vorschriften, jeder Winzer hat nach wie vor sein eigenes System. „Weinbauern sind eben ein kunterbuntes Volk“, erläutert Wettach.

Die Marketing-Strategen von Swiss Wine Communication haben das ebenfalls erkannt: Sie wollen jetzt immerhin eine Dachmarke „Schweizer Wein“ schaffen.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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