Eigene Kneipenkette geplant
Bitte ein McBit

Bitburger macht den Kneipen Konkurrenz. Die Brauereigruppe will in Deutschland eine Art Kette mit einheitlichem Aussehen und Geschäftsmodell schaffen. Dafür bietet sie den Pächtern ihrer Gaststätten ein neues Konzept an. Vorbild könnten Steakhausketten wie Block-House oder Maredo sein.

HAMBURG. Das Bitburger-Modell orientiert sich damit an der Systemgastronomie, also Gastronomie-Ketten, deren Läden nahezu identisch aussehen und die gleichen Produkte verkaufen. Weltweit größter Systemgastronom ist mit etwa 30 000 Filialen die Fastfood-Kette McDonald?s. "Wir wollen unseren Gastronomen einen Systematisierungsgrad geben, wie ihn die Systemgastronomie besitzt", umschreibt Bitburger-Chef Peter Rikowski den Vorstoß.

Sollte die Bitburger Gruppe damit Erfolg haben, wird sich die deutsche Kneipenlandschaft wandeln. Denn bisher gibt es hierzulande nur zwei nennenswerte Systemkneipiers: Die Extrablatt Gruppe aus Emsdetten mit knapp 80 Betrieben und die deutsche Tochter des britischen Pub-Konzerns Mitchells & Butlers, Betreiber von knapp 50 "Alex"-Gaststätten. Beide Gruppen machen jährlich jeweils einen Umsatz von rund 60 Millionen Euro. Mit Bitburger dagegen sind nach eigenen Angaben etwa 75 000 Betriebe verbunden. Das entspricht mehr als einem Drittel aller deutschen Kneipen und Restaurants. Allein 43 000 selbstständige Gastwirte schenken demnach die Marke "Bitburger" aus. Durch Akquisitionen kommen noch die Marken "König Pilsener", "Licher", "Köstritzer" und "Wernesgrüner" hinzu.

Doch anders als in Großbritannien, wo Kneipenketten bereits etabliert und die Wirte Angestellte der Pubkonzerne sind, arbeiten die Bitburger-Gastronomen selbstständig. Der Braukonzern kann sein Konzept den Wirten deshalb nur anbieten und nicht aufzwingen. Die Wirte sollen daher von geringeren Kosten profitieren. "Wir wollen unsere Gastronomen an den Größenvorteilen, die wir als Gruppe generieren, teilhaben lassen", erläuterte Bitburger-Chef Rikowski das neue Gastro-Konzept auf dem traditionellen Round-Table-Gespräch von Handelsblatt und Hamburg Messe anlässlich der Fachmesse "Internorga" in der Hansestadt. Dies soll dann "von der Konzeptidee über die Verkaufsförderung bis hin zum Einkauf" reichen.

Der in der Eifel beheimatete Bitburger-Konzern ist in Deutschland hinter der Radeberger Gruppe und Inbev Deutschland (Beck?s, Diebels) die Nummer drei der Branche. Im vergangenen Jahr erreichte die Braugruppe einen Nettoumsatz von rund 700 Mill. Euro. Mit 7,6 Millionen Hektolitern bewegte sich der Absatz der Bitburger Gruppe sechs Prozent unter dem Vorjahresniveau. Große Einbußen gab es beim Fassbier.

Rikowski will das neue Gastro-Konzept zwar nicht als Reaktion auf weiter drohende Absatzverluste aufgrund der Rauchverbote in deutschen Gaststätten verstanden wissen. Doch gerade der Braukonzern mit dem meistgezapften Bier in Deutschland dürfte die Auswirkungen der Rauchverbote vermutlich am heftigsten zu spüren bekommen.

Branchenkreise befürchten, dass etwa ein Zehntel der geschätzt 190 000 deutschen Gastronomiebetriebe aufgrund der aktuellen Rauchverbote in den kommenden Jahren insolvent werden oder ihren Betrieb einstellen müssen. Die ganze Braubranche sucht deshalb fieberhaft nach Lösungen, um die drohenden Einbußen zumindest abzumildern. Die Bitburger Gruppe will ihr Systemgastronomiekonzept auf der an diesem Freitag in Hamburg beginnenden Fachmesse "Internorga" vorstellen. Zum Leiter des Geschäftsbereichs "Systemgastronomie" wurde Rainer Noll, Geschäftsführer der Licher Privatbrauerei, bestimmt.

Die Experten der Beratungsgesellschaft Rölfs Partner (RP) finden die Bitburger-Idee gut, merken aber an, dass sich im allgemeinen die wenigsten Kneipen-Standorte wegen zu geringer Kundenfrequenzen für die Systemgastronomie eignen. "Außerdem kommt es sehr auf die Qualifikation des Gastronomen an", sagt RP-Geschäftsführer Andreas Schüren. Auch die Corporate-Finance-Experten der Düsseldorfer WGZ -Bank sind mit ihrem Urteil eher vorsichtig. "Solche, in ihrem Ursprung angelsächsischen Konzepte mögen in der Großstadt funktionieren, für den traditionellen deutschen Landgasthof taugen sie jedoch weniger", sagt WGZ-Berater Daniel Scholten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%