Eigenständiger Tarifvertrag möglich
Bahn will offenbar neues Angebot vorlegen

In den festgefahrenen Tarifkonflikt bei der Bahn kommt offenbar Bewegung: Das Unternehmen will der Lokführergewerkschaft GDL nach mehreren Medienberichten ein neues Angebot unterbreiten. Anscheinend will die Bahn dabei Verhandlungen mit Ziel eines eigenständigen Tarifvertrags akzeptieren. GDL-Chef Manfred Schell scheint das nicht auszureichen.

HB FRANKFURT. Grundlage für ein neues Kompromissangebot solle das Ergebnis der Mediationsrunde mit Kurt Biedenkopf und Heiner Geißler von Ende August sein, berichtete das Nachrichtenmagazin „Spiegel“. Die Bahn wollte sich nicht zu dem Bericht äußern. Auch die Lokführergewerkschaft GDL hat zurückhaltend auf Berichte reagiert. „Was daran neu sein soll, weiß ich nicht“, sagte GDL-Chef Manfred Schell am Samstag in Hofheim bei Frankfurt. Auch „Focus“ schrieb unter Berufung auf Konzern-Insider, das Unternehmen wolle der GDL in Kürze einen Kompromissvorschlag vorlegen.

Der „Spiegel“ hatte berichtet, Grundlage der Offerte solle erneut das Ergebnis der Mediationsrunde mit den CDU-Politikern Kurt Biedenkopf und Heiner Geißler von Ende August sein. Das Unternehmen wolle nun aber nicht mehr einen Kooperationsvertrag zwischen der GDL und der größten Bahn-Gewerkschaft Transnet zur Bedingung machen. Die GDL sei im Gegenzug bereit, lediglich für die Lokführer und nicht für das gesamte Fahrpersonal zu verhandeln.

Schell sagte dazu lediglich, dies sei das Ergebnis der Mediationsrunde gewesen. Er wisse auch, dass der Bahn-Vorstand ein Gespräch mit Biedenkopf gehabt habe. Der „Spiegel“ hatte berichtet, Biedenkopf und Geißler hätten sich in den vergangenen Tagen wieder in die Verhandlungen eingeschaltet. Die Gespräche auf der Basis des Mediationsergebnisses waren gescheitert, weil sich Bahn und GDL über die Auslegung des Papiers zerstritten hatten. Die GDL fordert einen eigenständigen Tarifvertrag und deutliche Einkommenssteigerungen. Um dies durchzusetzen, droht sie mit einem unbefristeten Ausstand.

Die Lokführer hatten in der Nacht den größten Streik in der Unternehmensgeschichte der Deutschen Bahn vorläufig beendet. Schell zog eine positive Bilanz des Ausstandes. „Es war ein erfolgreicher Arbeitskampf“, sagte er. Sollte die Bahn nun ein Angebot vorlegen, werde die Gewerkschaft darüber beraten. „Wir werden dann schauen, ob das das von uns erwartete tragfähige Angebot ist, um an den Verhandlungstisch zurückzukehren“, fügte er hinzu. Komme kein verbessertes Angebot auf den Tisch, werde die GDL am Montag oder am Dienstag entscheiden, wie es weitergehe. Ob es dann kommende Woche einen befristeten oder einen unbefristeten Streik gebe, bleibe abzuwarten.

Schell forderte Bundesverkehrsminister Wolfgang auf, sich mit Appellen an die Tarifparteien zurückzuhalten. Lieber solle sich der SPD-Politiker mit beiden Seiten an einen Tisch setzen, um den Konflikt zu entschärfen.

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