Einbruch beim Überschuss
Interseroh macht Dualem System Konkurrenz

Der Jahresüberschuss des Entsorgungsdienstleisters Interseroh ist 2005 deutlich eingebrochen. Künftig will das Kölner Unternehmen daher stärker auf die Entsorgung von Verkaufsverpackungen setzen und durch einen Zukauf die Nummer eins bei Stahlschrott werden.

HB KÖLN. „Mittelfristig wollen wir 15 Prozent Marktanteil erreichen“, sagte Interseroh-Vorstandschef Johannes-Jürgen Albus am Freitag in Köln mit Blick auf die Entsorgung von Verkaufsverpackungen. Der Jahresüberschuss war auch durch drastisch zurückgegangene Schrottmengen 2005 um rund ein Drittel auf 29,6 Mill. Euro eingebrochen. Der Umsatz sei um rund 106 Mill. Euro auf 946 Mill. Euro geschrumpft. Seinen Aktionären will Interseroh für 2005 zum fünften Mal in Folge eine Dividende von 0,86 Euro je Aktie zahlen.

Durch intensiven Wettbewerb mit dem Dualen System Deutschland (DSD) will Interseroh mittelfristig einen Anteil von 15-Prozent des Marktes erreichen, dessen Gesamtdienstleistungsvolumen 1,5 Mrd. Euro betrage. Derzeit erreiche der Kölner Dienstleistungs- und Rohstoffkonzern 61 Prozent der Bevölkerung mit seinem System. Bis zum Jahresende will Interseroh in allen Bundesländern über Zulassung für das Sammeln und Verwerten von Verpackungsmüll verfügen. Das solle Ergebnisverluste im Kerngeschäft Transportverpackungsrecycling kompensieren. Hier habe ein verschärfter Wettbewerb die Margen gedrückt, obwohl die verarbeiteten Verpackungsmengen nochmals erhöht wurden, sagte Konzernchef Albus.

Zudem sollen nach den Worten Albus die internationalen Aktivitäten besonders in Osteuropa verstärkt werden. Auch eine Expansion in der Sparte Schrott sei geplant, möglicherweise durch den Zukauf des Wettbewerbers TSR (Bottrop).

Übernahme von TSR geplant

Interseroh will mit der Übernahme des führenden deutschen Stahlschrotthändlers TSR zur Nummer eins der deutschen Stahlschrottbranche aufsteigen. „Wir haben Interesse an TSR“, sagte Albus am Freitag bei der Bilanzpressekonferenz in Köln. „Wenn wir zum Zuge kämen, wäre das ein großer Wurf,“ sagte Albus. Interseroh würde dann auf einen Schlag Nummer eins im Stahlschrotthandel in Deutschland und Nummer fünf in Europa. Es werde aber sicher noch weitere Interessenten für TSR geben, sagte der Interseroh-Chef. Interseroh kommt derzeit auf einen Stahlschrott-Absatz von jährlich rund vier Mill. Tonnen, TSR von zehn Millionen, davon sechs in Deutschland. 2004 erzielte die in Bottrop ansässige TSR einen Umsatz von rund 1,2 Mrd. Euro.

Eine Größenordnung für den Kaufpreis nannte Albus nicht. Die Finanzierung wäre für Interseroh aber kein Problem, betonte er. „Der Konzern ist schuldenfrei, verfügt über eine Eigenkapitalquote von 37 Prozent und hat ein sehr gutes Rating,“ sagte er zu Reuters. Eine Kapitalerhöhung komme angesichts der guten Eigenkapitalausstattung nicht in Frage.

Albus war am Donnerstag zum Nachfolger von Werner Kook bestellt worden, der das Unternehmen im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat verließ. Vor rund einem Monat war die Übernahme von Interseroh durch die Berliner Alba-Gruppe geplatzt. Alba hält derzeit 46 Prozent der Anteile, 54 Prozent befinden sich im Streubesitz.

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