Eine Milliarde TGV-Kunden stimmen den Konzern optimistisch
Frankreichs Staatsbahn feiert sich selbst

Eine Milliarde TGV-Kunden stimmen den Konzern optimistisch, vorerst aber schreibt er noch rote Zahlen.

PARIS. Zum Jubeltag gab es Feuerwerk bei Frankreichs Staatsbahn SNCF, aber nur ein ganz kleines. Ein paar bengalische Feuer speien Funken, als der Jubiläums-TGV durch eine Papierwand rollt – zur Freude über eine Milliarde Fahrgäste beim französischen Schnellzuges. Daneben stand SNCF-Chef Louis Gallois und schwärmte von der Weltrekordfahrt des TGV, der es am 18. Mai 1990 auf 515,3 Kilometer pro Stunde brachte.

Rekord hin, Feuerwerk her: Gallois plagen noch immer die Verluste seines Unternehmens – und seine eigenen Versprechen, sie verschwinden zu lassen. Als er 1997 den Chefposten bei der SNCF übernahm, kündigte er an, die Staatsbahn aus den roten Zahlen zu führen. Aber das Zieldatum dafür verschob er immer wieder; nun verkneift sich Gallois neue Versprechen ganz.

Der SNCF-Boss tröstet sich damit, dass es der Konkurrenz nicht besser geht. „Es stimmt, das unsere Zahlen nicht besonders gut sind, aber das gilt für die meisten anderen Anbieter auch“, sagte Gallois dem Handelsblatt. 2002 fuhren seine Züge bei einem Umsatz von 22 Mrd. Euro einen Verlust von 137 Mill. Euro ein. In diesem Jahr müssen Frankreichs Eisenbahner fürchten, dass der Verlust wieder auf das Niveau von 2001 steigt: Da waren es 310 Mill. Euro.

Gäbe es den Hochgeschwindigkeitszug TGV, nicht, wäre alles noch viel schlimmer. Die TGV-Sparte ist die einzig rentable im Konzern. Sowohl im Nahverkehr als auch im Gütergeschäft schreibt die SNCF dagegen rote Zahlen. „Alle Gewinne des TGV werden von den Verlusten der anderen Bereiche aufgefressen“, muss TGV-Chefin Mireille Faugère eingestehen.

Dem Frachtgeschäft geht es so schlecht, dass Gallois seit Monaten um eine Subvention seines einzigen Aktionärs kämpft. Dafür will er die Produktivität der Sparte in drei Jah-ren um ein Fünftel erhöhen: so sollen die Frachtzüge künftig sieben statt nur an fünf Tagen rollen. Unprofitable Aufträge will Gallois gar nicht mehr annehmen. Von den erhofften 2 Mrd. Euro aus der Steuerkasse wird Gallois laut Verkehrsminister Gilles de Robien wohl nur 1 Mrd. bekommen – und das auch nur, wenn die EU-Kommission die-ser „Rekapitalisierung“ zustimmt.

Die Zukunft sieht Gallois in einem europaweiten Hochgeschwindigkeitsnetz. Dazu will er Kooperationen suchen: „Nur so lässt sich die Duplizierung von Investitionen vermeiden.“ Aber das ist leichter gesagt als getan. Der Ausbau der teuren Strecken stockt. Die lange versprochene Verbindung Paris/Straßburg soll nun erst 2007 fertig werden – dank einer Reisegeschwindigkeit von 320 km/h sinkt die Fahrzeit dann von 3:50 auf 2:20 Stunden.

Um Strecken wie Paris/Frankfurt und Paris/Mailand im gleichen Tempo zu bedienen, verhandelt Gallois derzeit mit der Deutschen Bahn AG und der italienischen Bahn. Aber wegen unterschiedlicher Anforderungen an die Züge stecken die Gespräche fest, ließ Gallois durchblicken. Ewig will der SNCF-Chef nicht verhandeln: „Wenn man uns ärgert, können wir auch allein, denn wir sind der größte Anbieter.“ 665 TGVs rauschen täglich durch Frankreich – schon heute mit Zielorten wie Köln, London, Amsterdam oder Mailand. 60 % der Hochgeschwindigkeitszüge in Europa laufen unter der Marke SNCF.

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