„Eine traurige Geschichte“
Securitas-Chef schmeißt hin

Der Großauftrag zur Fußball-WM in Deutschland hat ihn nicht retten können. Thomas Berglund muss den börsennotierten Wachdienst Securitas nach schmerzlichem Geschäftseinbruch verlassen.

cs DÜSSELDORF. Thomas Berglund, seit 14 Jahren CEO des schwedischen Sicherheitskonzerns Securitas, muss seinen Posten räumen. Der Grund: Seine börsennotierte Firma gab am Donnerstag nicht nur das Scheitern eines Firmenverkaufs bekannt, zum Ende des abgelaufenen Quartals präsentierte sie zudem verheerende Zahlen.

Obwohl der Umsatz um sechs Prozent auf 1,9 Mrd. Euro anzog, hat sich der Gewinn des Stockholmer Unternehmens im Vergleich zum Vorjahresquartal auf 32 Mill. Euro halbiert. Grund seien verlorene Aufträge und der Preisdruck bei Flughafen-Kunden, hieß es. Analysten hatten zuvor mit einem mehr als doppelt so hohen Ergebnis gerechnet. Die Aktie verlor daraufhin zeitweise 13 Prozent, nachdem sie bereits im laufenden Jahr zehn Prozent ihres Wertes abgegeben hatte. Wettbewerber Group 4 Securicor, vor Securitas weltweit die Nummer eins der Branche, liegt seit Jahresbeginn dagegen leicht im Plus. „Securitas ist eine traurige Geschichte“, kommentierte Daniel Broby von Bankinvest in Kopenhagen den Abgang. „Es war höchste Zeit, dass Berglund ging.“

Dabei gab es für Securitas im vergangenen Quartal allen Grund zur Hoffnung. Die Deutschlandtochter hatte den Zuschlag erhalten, mit 3 000 Mitarbeitern während der Fifa-WM sämtliche Stadien und Mannschaftshotels zu bewachen. Unterm Strich jedoch bescherte der von Düsseldorf aus operierende Securitas-Ableger, der im vergangenen Jahr mit 14 000 Beschäftigten 430 Mill. Euro umsetzte, dem Konzern einen unverhofften Dämpfer. Umgerechnet 40 Mill. Euro musste er im zweiten Quartal für das deutsche Geldtransportergeschäft abschreiben, obwohl dieses bereits im vergangenen Jahr an den Konkurrenten Heros verkauft worden war.

Mit der betrügerischen Pleite des Käufers habe die Abschreibung jedoch nichts zu tun, versicherte ein Konzernsprecher auf Anfrage. Der Betrag sei bei einem Banktransport von Securitas-Mitarbeitern während der Euro-Einführung unterschlagen worden. Weil sich die Versicherung weigerte, den Schaden zu übernehmen, habe man nun eine Abschreibung vorgenommen.

Doch auch der Rest des Geldtransportergeschäfts, von dem sich Securitas trennen will, bereitet den Schweden Sorge. Ein geplanter Verkauf sei nicht zustande gekommen, teilte Berglund mit. Nun soll die Sparte unter dem Namen Loomis durch einen Aktiensplit in Stockholm gelistet werden. Securitas-Aktionäre, so der Plan, sollen zusätzlich Wertpapiere der scheidenden Konzerntochter erhalten. Dem Unternehmen selbst bringt dies kaum Vorteile. Auf den erhofften Verkaufserlös von 1,6 Mrd. Euro jedenfalls müssen die Schweden bei dieser Lösung verzichten.

Auch zwei weitere Sparten will Securitas auf ähnliche Weise an die Börse bringen, um sich in Zukunft allein auf das Geschäft mit Wachleuten zu konzentrieren: Securitas Direct, ein Anbieter für Überwachungsanlagen in Privatwohnungen, und Securitas Systems, ein Hochsicherheitsspezialist für Banken und Einzelhandelsläden. Offiziell muss diesen Plänen aber noch die Hauptversammlung am 25. September zustimmen. Gibt sie grünes Licht, würde Securitas rund ein Drittel seiner gesamten Umsätze verlieren.

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