Eine Welt
Fairer Handel wirkt Flüchtlingsflut entgegen

Nicht nur Krieg und Terror treiben viele Menschen aus dem Süden nach Europa, auch die hoffnungslose Wirtschaftslage. Bessere Arbeitsbedingungen vor Ort durch fairen Handel könnten Flüchtlingsströme eindämmen.

BerlinEingepackt in dicke Winterjacken stehen sie in einer zugigen Markthalle in Berlin-Kreuzberg: Die Vertreter von Fair-Trade-Betrieben aus Honduras, Ecuador und den Philippinen wurden ins kalte Deutschland eingeladen, um gemeinsam mit dem Forum Fairer Handel, TransFair und Weltladen die Faire Woche 2015 zu eröffnen.

Umgeben sind sie von lauter kleinen Buden, die nachhaltige und fair gehandelte Produkte aus aller Welt verkaufen. Dazwischen schlendern Anzugträger mit Dreadlocks, Anwohner mit alten Camouflage-Jacken und Senioren. Etwas verloren stehen bei der Eröffnung mittendrin auf einer kleinen Bühne die fünf Produzenten. Dann kommt Besuch von Staatssekretär Thomas Silberhorn (CSU) vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Er schaut auf eine Tasse Kaffee bei der Fairen Woche vorbei.

Der Staatssekretär zeigt sich überzeugt: Dem fairen Handel ist ein Durchbruch gelungen. 30 Prozent Umsatzsteigerung im Vergleich zum Vorjahr habe den Gesamtumsatz der Anbieter von fairen Produkten auf eine Milliarde Euro erhöht. Allerdings: Der Anteil am Gesamtmarkt ist mit circa ein Prozent nach wie vor gering.

Die Arbeitsbedingungen in vielen Ländern lassen immer noch zu wünschen übrig. Denn die Anbieter vor Ort erhalten nur einen Bruchteil der Margen. Um möglichst geringe Preise bieten zu können, setzen viele Fabriken auf niedrige Löhne, unsichere Gebäude und schlechten Brandschutz.

Teilweise sei dies auch Auslöser für die aktuelle Flüchtlingskrise. „Holzschnittartig“, so Silberhorn, sei zwar diese Beschreibung. Aber letztendlich seien die Arbeitsbedingungen in den Herkunftsländern auch ein Grund für die Ströme an Hilfesuchenden. Der Anteil in der Wertschöpfungskette, der letztendlich bei den Produzenten landet, sei zu gering. Natürlich führe das dann in den Ländern irgendwann zu der Meinung, dass „man Zuhause nichts mehr zu gewinnen hat“.

Faire Bedingungen bei Produktion und Handel können Hoffnungslosigkeit verhindern. „Wir bekommen nicht nur einen besseren Preis für unseren Kaffee, sondern können durch den Fairen Handel auch wachsen. Dieser Handel ist menschlicher, und das sollten wir alle anerkennen“, sagte Sonia Vasquez, verantwortlich für die Produktion der Fairtrade-zertifizierten Kaffeeorganisation Comsa aus Honduras. Als Produzentin sieht sie in der Beteiligung am Fairen Handel eine große Chance.

„Der Faire Handel stellt den Menschen in den Mittelpunkt und bietet größtmögliche Transparenz entlang der Lieferkette“, betont Christoph Albuschkat, Koordinator der Fairen Woche beim Weltladen-Dachverband. Fairer Handel mache aus der Wertschöpfungskette eine Wertschätzungskette.

Auch das Ministerium unter Gerd Müller (CSU) versucht durch bilaterale Zusammenarbeit für mehr Transparenz in den Produktionsprozessen zu sorgen. Durch faire, nachhaltige und menschenwürdige Bedingungen in den Produktionsländern könne man Wirtschaftsmigration vermeiden.

Das BMZ geht mit gutem Beispiel voran. In seinem Hause werden nachhaltige Produkte wie Kaffee verwendet, betonte Silberhorn. Was die anderen Ministerien machen, da war der Staatssekretär überfragt. Aber bei Caterer Käfer, unter anderen auch Dienstleisterfirma im Deutschen Bundestag, kommt zumindest der Kaffee aus zertifiziertem, nachhaltigem und fairem Anbau.

An das Thema Fairer Handel dürfe man allerdings nicht mit dem erhobenen Zeigefinger herangehen, betont Staatssekretär Silberhorn. Stattdessen sei es wichtig, alle einzuladen, den Blick zu weiten.

Angesichts des aktuellen Flüchtlingsdramas in Europa dürfte die Argumente für Fairen Handel selten so durchschlagend gewesen sein.

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