Einigung im Tarifkonflikt
Lufthansa-Streik soll morgen enden

Flugreisende können aufatmen - aber erst morgen. Lufthansa und Verdi haben in ihrem Tarifkonflikt eine Einigung erzielt. Mit der Samstags-Frühschicht sollen die Streiks enden. Doch das heißt nicht, dass gleich alles normal läuft.

HB FRANKFURT. Nach tagelangen Streiks und Flugausfällen haben sich die Lufthansa und die Gewerkschaft Verdi auf einen Tarifabschluss für mehrere zehntausend Beschäftigte geeinigt. Der unbefristete Streik soll umgehend beendet werden, teilten beide Seiten auf einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main mit. Die Lohnerhöhung hat laut Lufthansa ein Volumen von 4,2 Prozent im Jahr und gilt für 34 000 Mitarbeiter am Boden.

"Der Streik wird beendet", betonte Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer. Der Flugbetrieb werde sich aber erst nach einiger Zeit normalisieren. "Wir werden jetzt alle Anstrengungen unternehmen, die erforderlich sind, um unseren Flugbetrieb zügig wieder in der gewohnten Zuverlässigkeit und Qualität unseren Kunden anzubieten." Noch bis Montag dürften pro Tag etwa hundert Flüge ausfallen, darunter viele Langstreckenverbindungen.

Verdi-Verhandlungsführer Erhard Ott sagte, dass der Ausstand mit der Frühschicht am morgigen Samstag beendet werde. Nach Lauers Worten dauert es ein bis zwei Wochen, bis von den Folgen nichts mehr zu spüren ist. Auch am Freitag, dem fünften Tag des Arbeitskampfes, sollten rund 130 Flüge ausfallen, darunter 30 Langstreckenverbindungen. Die Einbußen für das Unternehmen durch den Streik mit mehreren hundert ausgefallenen Flügen bezifferte Lauer auf "einen deutlich zweistelligen Millionen-Euro-Betrag".

Das Unternehmen schätzt die Mehrbelastung auf 40 Millionen für dieses Jahr. Im zweiten Jahr der Laufzeit lägen die Mehraufwendungen bei knapp 100 Millionen Euro, sagte Lauer. Jeder Prozentpunkt beim Tarifabschluss koste rund 15 Millionen Euro. Hinzu kämen die Einmalzahlungen.

Die größte deutsche Fluggesellschaft und Verdi einigten sich auf eine Lohnerhöhung um 5,1 Prozent rückwirkend zum 1. Juli. Am 1. Juli 2009 folgt eine weitere Erhöhung, und zwar um 2,3 Prozent. Zudem gibt es eine Einmalzahlung einschließlich einer ergebnisabhängigen Komponente. Sie könne sich auf bis zu 2,4 Prozent einer Jahresgrundvergütung belaufen, heißt es. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 21 Monaten bis zum 28. Februar 2010. Die Lufthansa sprach von einer Erhöhung im Gesamtvolumen von 4,2 Prozent auf ein Jahr gerechnet, Verdi hob die Erhöhung bis 2009 von insgesamt 7,4 Prozent hervor.

Verdi und die Lufthansa sprachen von einem insgesamt vertretbaren Ergebnis, das nach harten und schwierigen Verhandlungen zustande gekommen sei. Für das Kabinenpersonal wurde ein Abschluss im gleichen Volumen erzielt. Er steht aber unter dem Vorbehalt der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo, in der die meisten Stewardessen organisiert sind. Der Tarifvertrag mit Ufo läuft noch bis zum 31. Dezember 2008. Ufo will 15 Prozent fordern.

Lauer erklärte, der Abschluss sei in Anbetracht des Tarifkonfliktes mit mehreren Streiktagen ein Kompromiss, der allerdings das Unternehmen erheblich belaste. "Es ist sicherlich für beide Tarifpartner kein Abschluss im schmerzfreien Bereich." Die Einigung sei nur mit Blick auf die lange Laufzeit und der ergebnisbezogenen Einmalzahlungen vertretbar. Die höheren Kosten müssten über eine bessere Produktivität aufgefangen werden.

Verdi will seine Mitglieder in einer Urabstimmung über das Ergebnis entscheiden lassen. Sie soll am Mittwoch beginnen und übernächste Woche am Dienstag beendet sein. Der Einigung vorausgegangen waren informelle Gespräche zwischen Verdi und Vertretern des Unternehmens am Donnerstag. Ott sagte, er habe mit dem Lufthansa-Manager Lauer bis in den Abend hinein verhandelt. Dies sei sehr "quälerisch und schwierig" gewesen. Die Gespräche hätten mehrmals knapp vor dem Abbruch gestanden.

Über das Ergebnis beriet die Tarifkommission von Verdi zunächst in der Nacht und dann am Morgen. Verdi forderte für die Beschäftigten am Boden und in der Kabine ursprünglich 9,8 Prozent mehr Geld für ein Jahr. Die Lufthansa bot 7,7 Prozent für 21 Monate inklusive einer Einmalzahlung.

Die Einigung hat den Aktienkurs in die Höhe gezogen. Die Aktien, die zunächst noch im Minus notiert hatten, stiegen um bis zu 1,5 Prozent auf 14,99 Euro, bröckelten dann aber wieder etwas ab. Die Lohnerhöhung höre "sich nach viel an, aber ist wohl ganz in Ordnung", erklärte ein Händler. Positiv sei, dass sich Verdi und Lufthansa nun doch relativ rasch geeinigt hätten. Etwas Unterstützung bekam der Kurs auch vom Rückgang des Ölpreises. Das Fass US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich um ein Prozent auf 122,74 Dollar.

Aus technischer Sicht sei die Aktie nach dem Anstieg von 13,05 auf 15,95 Euro in eine Konsolidierung gelaufen, sagen Analysten. Erst ein Überwinden der Marke von 15,95 Euro eröffne Aufwärtspotenzial.

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