Einkaufen soll zum Erlebnis werden
Schlechte Zeiten für „0815“-Warenhäuser

Mit neuen Unternehmenskonzepten wollen Betreiber von Warenhäusern verloren gegangenes Terrain im hart umkämpften Einzelhandel zurückgewinnen. Insbesondere von der Konzentration auf Standorte in Großstädten und Angeboten im gehobenen Segment versprechen sich die Karstadt-Quelle-Manager viel.

HB WISMAR. „Die Menschen kommen in die Städte, um beim Einkaufen etwas zu erleben. Dem müssen wir gerecht werden“, sagte Karstadt-Quelle-Vorstand Helmut Merkel am Montag auf dem 1. Internationalen Warenhauskongress in Wismar. Mit „0815“- Angeboten gehe das nicht. Auch wenn Warenhäuser in Deutschland als sterbendes Format bezeichnet würden, zeigten internationale Trends große Entwicklungspotenziale.

Nach Einschätzung des Marketingexperten Professor Joachim Zentes aus Saarbrücken haben die deutschen Warenhausketten Lehren aus der Vergangenheit gezogen. „Es gibt keine Chance, erfolgreich gegen Discounter zu konkurrieren. Die Rückbesinnung auf die Wurzeln ist wichtig, um die Faszination des Einkaufens zu vermitteln“, betonte Zentes. Dazu gehörten Topmarken und ein erstklassiger Service. „Einkaufskultur und große Marken sind unabdingbar für wirtschaftlichen Erfolg.“

Manager aus den USA, Thailand und Frankreich betonten, der Erlebnischarakter des Einkaufens werde immer wichtiger. „Wir müssen den Kunden ein Einkaufserlebnis schaffen, mit Modevorführungen etwa. Und wir müssen für eine kompetente Beratung sorgen“, betonte Andrew Jennings von der New Yorker Kette Saks Fifth Avenue.

Merkel zeigte sich besorgt über die Entwicklung in Städten wie Celle, Dortmund oder Oberhausen, wo neben etablierten Einkaufsmeilen neue Shoppingzentren errichtet würden. „Wir haben in Deutschland derzeit eine Verkaufsfläche von insgesamt 114 Mill. Quadratmeter und jedes Jahr kommen bis zu zwei Mill. dazu.“ Unkontrolliertes Wachstum steigere aber nicht die Attraktivität der Standorte sondern provoziere unnötig weiteren Leerstand.

Zu der Konferenz hatte die Karstadt-Quelle AG (Essen) anlässlich ihres Firmenjubiläums rund 200 Spitzenmanager aus aller Welt in die Ostsee-Stadt eingeladen. Vor 125 Jahren war in Wismar das Karstadt- Stammhaus eröffnet worden. Als nunmehr kleinstes Warenhaus gehört es auch nach der 2004 eingeleiteten Sanierung noch zum Konzern. „Die Schnitte waren hart“, räumte Merkel ein. Der seit Jahresanfang steigende Aktienkurs zeige aber, dass der eingeschlagene Weg der Richtige sei. Die Karstadt Warenhaus GmbH beschäftigt nach der Ausgliederung von 74 kleineren Filialen bundesweit noch 33 000 Menschen. Zu den bekanntesten der nunmehr noch 90 Häuser gehören das KadeWe in Berlin und das Altsterhaus in Hamburg.

Die Deutschen konsumieren laut Merkel jährlich Waren im Wert von 450 Mrd. Euro. Etwa drei Prozent entfielen dabei auf Warenhäuser. Zu Beginn der 1970er Jahre betrug der Anteil noch etwa zwölf Prozent.

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