Einkaufscenter-Investoren
Finanzkrise heizt Center-Boom an

Ausgerechnet die US-Immobilienkrise lässt Einkaufscenter-Investoren auf höhere Renditen hoffen. „Wir rechnen damit, dass viele Center günstiger auf den Markt kommen als in den vergangenen Jahren“, sagte Alvaro Portela, Vorstandschef des internationalen Center-Betreibers Sonae Sierra, dem Handelsblatt.

DÜSSELDORF. "Schon jetzt geht es mit den Preisen bei zweitklassigen Objekten bergab", berichtet er, "nur erstklassige halten sich noch stabil." Für expandierende Einkaufscenter-Betreiber weiche damit der Druck auf die Rendite.

Die war zuletzt deutschlandweit geschrumpft. Hatten Betreiber Anfang 2005 noch für 100 investierte Euro pro Jahr 5,75 Euro Kaltmiete eingestrichen, müssen sie sich nach Berechnungen der Maklerfirma Jones Lang Lasalle seit 2007 mit 4,50 Euro begnügen. Für den Renditeeinbruch machen Immobilienexperten die hohen Preissteigerungen der letzten Jahre verantwortlich. "Es war einfach zu viel Geld auf dem Markt", begründet Portela rückblickend die Preisrally.

Damit ist es seit dem Einbruch des amerikanischen Immobilienmarktes vorerst vorbei. Weil sich die Banken seither mit der Kreditvergabe schwer tun, brach 2007 die Nachfrage vor allem aufseiten der Private-Equity-Firmen, die Übernahmen üblicherweise bis zu 80 Prozent kreditfinanzieren, dramatisch zusammen. 2006 noch waren sie am 18,6 Mrd. Euro schweren Übernahmekuchen deutscher Handelsimmobilien zu 27 Prozent beteiligt, im letzten Jahr dagegen schnellte ihr Anteil auf 2,1 Prozent zurück - bei einem gleichzeitig auf 11,2 Mrd. Euro fast halbierten Gesamtvolumen. "Wer nicht wie wir mit institutionellen Finanzpartnern zusammenarbeitet", sagte ein Sprecher des Hamburger Center-Betreibers ECE, "dem fehlen nun die Investoren."

Den Einbruch im Transaktionsgeschäft datieren Branchenexperten auf den Start der US-Immobilienkrise im Juli 2007. Selbst Investoren, denen die Banken noch Kredite bewilligten, müssen dafür seitdem 0,8 Prozentpunkte mehr an Zinsen zahlen - bei Durchschnittsrenditen von 4,5 Prozent für Einkaufscenter-Betreiber ein herber Kostenfaktor. "Eigenkapitalstarke Investoren gewinnen 2008 deshalb eindeutig die Oberhand", glaubt man deshalb bei der Düsseldorfer Vermietungsagentur Kemper?s.

Zu ihnen gehört auch Sonae Sierra. Der portugiesisch-britische Konzern mit einem Immobilienvermögen von 1,7 Mrd. Euro sammelt das Kapital über einen eigenen Fonds ein. Entsprechend ausgeprägt ist der Expansionsdrang: "Wir wollen in Deutschland jedes Jahr ein neues Center eröffnen", kündigt Sonae-Deutschlandchef Thomas Binder an. Drei seien zurzeit in der Pipeline, schon im Bau befinde sich das "Loop 5" im hessischen Weiterstadt. Mit 48 Centern - darunter die Münster-Arcaden und das Alexa in Berlin - verdiente der Konzern 2007 insgesamt 300 Mill. Euro.

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