Einkaufsliste
Bahn will Logistiksparte ausbauen

Die Deutsche Bahn will nach Angaben aus Unternehmenskreisen rund 700 Millionen Euro in den Ausbau der internationalen Logistiksparte investieren.

HB BERLIN. Für rund 460 Millionen Euro werde die größte britische Güterbahn EWS komplett übernommen, sagten mit den Käufen Vertraute am Montag. Da das Unternehmen bereits in Frankreich aktiv sei, könne die Bahn so indirekt auf den schwer zugänglichen Nachbarmarkt vordringen. Auf der Einkaufsliste stünden zudem 51 Prozent des spanischen Logistikers Transfesa, der rund 130 Millionen Euro kosten solle. Das Unternehmen machte 2006 mit rund 1000 Mitarbeitern knapp 300 Millionen Euro Umsatz. Etwa 150 Millionen Euro werde zudem für die spanische Spaintir mit gut 800 Beschäftigten bezahlt. Um die Engpässe im deutschen Schienengüterverkehr zu mildern, würden 500 Güterwaggons angeschafft, die rund 40 Millionen Euro kosten sollen. Ein Bahn-Sprecher wollte die Angaben nicht kommentieren.

Das Geld bekommt die Bahn aus dem Verkauf ihrer 50-Prozent-Beteiligung an der Ostsee-Reederei Scandlines, was dem Konzern rund 800 Millionen Euro bringt. Die Beschlüsse sollen auf der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch gefasst werden. Das Unternehmen setzt damit seine Strategie fort, mit Übernahmen international zu wachsen. Grundstein war 2002 der Kauf des Stinnes-Konzern mit der Spedition Schenker. 2006 hatte die Bahn für knapp eine Milliarde Euro den US-Logistiker Bax übernommen.

Mit EWS übernimmt der deutsche Konzern nicht nur eine britische Bahn mit einem Marktanteil auf der Schiene von mehr als 60 Prozent. Vor allem gilt der Kauf als Drohung gegenüber der französischen Bahn, da EWS Zugang zum dortigen Schienenmarkt hat. Die französische Staatsbahn SNCF hat im Frachtverkehr erhebliche Probleme. Die EWS wird ihren Besitzern - der Canadian National und den Finanzinvestoren Berkshire Partners, Say Richwhite und Goldman Sachs - abgekauft.

Im Aufsichtsrat soll ferner - wie bereits vergangenen Herbst im Kreise der Vertreter der Bundesregierung besprochen - auch der Vertrag von Bahnchef Hartmut Mehdorn um zwei Jahre verlängert werden. Damit würde die Bahn ihre eigenen Richtlinien für die Unternehmensführung (Corporate Governance) verletzen, wonach ein Vorstand nicht über das 65. Lebensjahr hinaus beschäftigt werden darf.

Nach Angaben aus dem Unternehmen boomt das Logistik-Geschäft sowohl bei der Spedition Schenker (Lkw, Flugzeug, Schiff) und der Güterbahn Railion. Bis Ende Mai liege man bei Schenker beim Gewinn etwa acht Prozent über Vorjahr, bei Railion etwa 6,5 Prozent. Das Plus ist damit bei beiden etwa doppelt so stark wie geplant. Bei der Güterbahn mache die Personalknappheit weiter massiv zu schaffen. Vor allem der Container-Verkehr habe in den ersten Monaten des Jahres erneut die Erwartungen übertroffen, hieß es.

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