Einkaufspolitik deutscher Krankenhäuser lässt Marktwachstum im internationalen Vergleich zurückfallen
Medizintechnik gerät unter Preisdruck

Die Aufwärtsentwicklung der als Wachstumsbranche geltenden Medizintechnik ist in Deutschland ins Stocken geraten. Nach Prognosen des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) kann die Branche hier zu Lande im laufenden Jahr nur mit einem Wachstum von 3 % rechnen. Demgegenüber sagt der US-Branchenverband AdvaMed für den Weltmarkt und die Vereinigten Staaten 7 % Wachstum vorher.

BERLIN. Cornelia Gröhl, Vorstandsvorsitzende des deutschen Branchenverbands, führt die enttäuschende Entwicklung auf die restriktive Budgetierungspolitik im deutschen Gesundheitswesen und den zunehmenden Preisdruck durch die Finanzkrise in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zurück. Vor diesem Hintergrund setzen immer mehr Krankenhäuser auf Einkaufsgemeinschaften.

So haben sich in Heidelberg etwa mehrere Krankenhäuser zur Einkaufsgemeinschaft Südwest zusammengeschlossen, in München bündelt die genossenschaftliche PEG Einkaufsmacht. In Nordrhein- Westfalen vertritt die Essener Med4com die Krankenhäuser in den Verhandlungen mit den Lieferanten. Diesen Zusammenschlüssen, die Gröhl als kartellähnlich bezeichnet, gelinge es, erhebliche Preisnachlässe durchzusetzen.

Auch deshalb habe die Umsatzentwicklung der rund 200 Mitgliedsunternehmen des Branchenverbands im ersten Halbjahr deutlich an Dynamik verloren. Obwohl die Fallzahlen in einer immer älter werdenden Gesellschaft stetig steigen, verbuchten sie demnach lediglich ein Wachstum von 3 %. Im ersten Halbjahr 2002 hatte sich das Wachstum noch auf 5,5 % belaufen. Das verlangsamte Wachstum trifft den deutschen Markt allerdings auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Deutschland ist im 170 Mrd. Euro schweren Weltmarkt für Medizintechnologie noch immer der drittgrößte nationale Markt nach den weitaus stärker bevölkerten USA und Japan.

Das Spektrum der vom BVMed vertretenen Unternehmen reicht vom Hersteller von Verbandsmaterial bis zum Hochtechnologieunternehmen. Die Branche befindet sich seit Jahren in einem Internationalisierungsprozess, in dem insbesondere mittelständische Unternehmen sich entweder auch im Ausland positionieren oder aber zu Übernahmekandidaten werden.

So gründete etwa die schwäbische Paul Hartmann AG in den vergangenen zwei Jahren sechs Auslandstöchter. Der Hersteller von Verbrauchsmaterialien für Medizin und Pflege verbucht inzwischen mehr als die Hälfte seines Umsatzes außerhalb Deutschlands. Der Lübecker Gerätehersteller Drägerwerk AG tat sich in einem Gemeinschaftsunternehmen mit der Medizintechniksparte des Siemens-Konzerns zusammen, um mit gemeinsamen Produktentwicklungen den Sprung auf den Weltmarkt zu schaffen. Zusätzlich drängen zunehmend US-Wettbewerber wie Zimmer, Johnson & Johnson und General Electric mit Übernahmen auf den europäischen Medizintechnikmarkt.

Die hauptberuflich im Management für Johnson & Johnson tätige Gröhl geht davon aus, dass sich diese Konsolidierung der Branche weiter fortsetzt. Der zunehmende Preisdruck, steigende Rohstoffkosten und Entwicklungsausgaben hätten insbesondere viele mittelständische Unternehmen an die Grenze der Belastbarkeit gebracht. Da oft alle Rationalisierungsmöglichkeiten ausgeschöpft seien, werden Firmenzusammenschlüsse ihrer Einschätzung nach auch weiterhin auf der Tagesordnung stehen.

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