Einkaufssender
QVC spürt Kaufunlust der Frauen

Deutschlands größter Einkaufssender QVC muss erstmals in seiner Geschichte sinkende Erlöse und Erträge melden. Als GRünde nennt das Unternehmen die anhaltende Konsumschwäche und die höhere Mehrwertsteuer. Doch mit dem Umsatz- und Gewinnrückgang schwimmt die Tochter des US-Medienkonzern Liberty Media gegen den Strom.

DÜSSELDORF. „Wir sind im Markt des Teleshoppings in einer Reifephase angekommen“, sagte QVC-Chef Ulrich Flatten dem Handelsblatt. „Unser Umsatzrückgang hat zum einen marktbedingte Gründe – wie die anhaltende Konsumschwäche und höhere Mehrwertsteuer. Zum anderen konnten unsere neuen Produkte naturgemäß noch nicht sofort ihre Umsatzpotenziale entfalten.“ Drei Viertel der QVC-Kunden sind Frauen.

Im vergangenen Jahr erzielte die Tochter des US-Medienkonzern Liberty Media einen Umsatz von nur noch 634 Mill. Euro (Vorjahr: 674 Mill. Euro). Das ist ein Rückgang um 5,9 Prozent. Bei dem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging es sogar noch steiler bergab. Im abgelaufenen Geschäftsjahr waren es 103 Mill. Euro, im Vorjahr noch 130 Mill. Euro. Die Zahl der Mitarbeiter sank durch natürliche Fluktuation um drei Prozent auf 3 550.

Die Bilanz von QVC ist eine Enttäuschung, denn insgesamt wächst der Markt für die Einkaufssender in Deutschland. Er liegt derzeit deutlich über einer Milliarde Euro. Laut der Berliner Unternehmensberatung Goldmedia wachsen die Umsätze bis 2011 auf rund 1,5 Mrd. Euro. Auch der härteste Wettbewerber von QVC, der Shoppingkanal HSE 24, erwartet deutliches Wachstum. Der Münchener Kanal gehört heute dem Handelskonzern Arcandor, zuvor Karstadt-Quelle.

Die Gründe für die Schwäche von QVC sind zum Teil hausgemacht. Der Kanal hat viel Geld in die Infrastruktur gesteckt. „Wir haben 2007 rund 55 Mill. Euro in den Ausbau unserer Logistik in Hückelhoven und unseres Call-Centers in Kassel investiert“, berichtet Flatten. Zudem investiert QVC in die Verkaufsshows – so etwa eine halbe Million Euro in neue Sets für das Düsseldorfer Studio.

Große Umsatz- und Ergebnissprünge erwartet QVC auch dieses Jahr nicht. Flatten: „Ich bin für 2008 verhalten optimistisch.“ Künftig setzt der deutsche Ableger des Teleshopping-Imperiums von US-Medienmogul John Malone verstärkt auf neue Produkte. Große Hoffnungen ruhen auf Eigenmarken für Kosmetik und Lifestyle. In den nächsten Monaten starten neue Kosmetik-Produktlinien. Das lukrative Geschäft mit Microfaser-Produkten war durch den harten Wettbewerb mit HSE 24 zunichte gemacht worden.

Der Markt der TV-Warenhäuser ist stark in Bewegung. So verkauft Medienkonzern Bertelsmann seinen Einkaufssender RTL Shop. Brancheninsider berichten, vor allem die beiden Versandhändler Otto und Arcandor-Tochter Primondo seien interessiert. RTL Shop erzielte Insidern zufolge 2007 rund 90 Mill. Euro Umsatz. Die Verluste lagen demnach im leicht zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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