Einnahmeausfälle
Aigner lehnt Ehec-Entschädigung für Handel ab

Für die Bundesagrarministerin ist die Sache klar: Ilse Aigner ist gegen eine Kompensation des Einzelhandels wegen der Ehec-Krise. Auch aus Brüssel fließe kein Geld. Die Begründung hört sich ganz einfach an.
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BerlinBundesagrarministerin Ilse Aigner hat Forderungen des Handels nach Entschädigungen wegen der Ehec-Krise zurückgewiesen. Anders als die Bauern, die von der EU-Kommission mit 210 Millionen Euro entschädigt werden, könne der Handel im Verkauf immer auf andere Produkte ausweichen, sagte die CSU-Politikerin dem Berliner „Tagesspiegel“ (Dienstagausgabe) laut Vorabbericht.

Dagegen seien Landwirte in ihrem Produktionssortiment meist auf sehr wenige Erzeugnisse beschränkt. „Die Bauern mussten deshalb ungleich höhere Einbußen verzeichnen“, sagte Aigner. Hilfe aus Brüssel komme nach Meinung der Ministerin für den Handel nicht infrage, schrieb das Blatt. Auch nationale Lösungen lehne sie ab: „Eine Entschädigung für den Handel steht nicht zur Diskussion.“

Eine 62 Jahre alte Frau aus Bergneustadt in Nordrhein-Westfalen starb am Wochenende an einer Infektion mit dem Ehec-Erreger. Die Frau habe sich vergangenen Monat in Norddeutschland aufgehalten, wo die meisten Erkrankungen registriert wurden, teilte das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium mit. Nach Angaben des Robert-Koch-Institutes sind bislang rund 40 Menschen durch die Ansteckung mit dem Darmbakterium gestorben. Es würden jedoch seit zehn Tagen deutlich weniger Neuerkrankungen als in den Vortagen übermittelt.

Handel fordert Ehec-Entschädigung

„Es gab in den Sortimenten zum Teil Umsatzrückgänge bis zu einem Drittel. Ich habe bei der Verbraucherministerin deutlich gemacht, dass der Handel auch gerne über Kompensationen sprechen möchte, wenn es Hilfen für Erzeuger gibt“, sagte der Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE), Josef Sanktjohanser, dem „Weser-Kurier“ am Montag. Es gibt auch bei Händlern und Wochenmärkten große Verluste. Aber dem Handel will die Regierung keine Kompensation aus der Agrarkasse zubilligen“, klagte der HDE-Chef mit Verweis auf die 210 Millionen Euro, die den Bauern als Entschädigung zugesagt wurden.

Der HDE-Chef nannte das Krisenmanagement der Politik im Zusammenhang mit der EHEC-Epidemie „unzureichend“ und forderte künftig mehr Mitspracherecht des Handels. Der Handel habe ein riesiges Netz an Instrumenten, mit denen sichergestellt werde, dass nur einwandfreie Lebensmittel auf den Markt kommen, sagte Sanktjohanser. „Deshalb ist ein vernünftiges Krisenmanagement nötig. Eine Art ständiger Krisenstab aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und beteiligte Wirtschaft, der im Ernstfall sofort aktiviert werden kann.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Einnahmeausfälle: Aigner lehnt Ehec-Entschädigung für Handel ab"

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  • Richtig! Sonnleitner ist nur zu hören, wenn´s was zu holen gibt!

  • Ein schönes Beispiel, das die enorme Lobbykraft der Bauern verdeutlicht! Landwirte sind nicht nur DIE Profiteure des ganzen absurden EU-Subventionsapparats, sondern fordern immer mehr Geld aus den Taschen der Bürger. Dabei beschränken sie sich immer mehr auf den Anbau von Biotreibstoff-Pflanzen und die Errichtung leerstehender Scheunen als Dachfläche für die Solarstromerzeugung. Die Abzocke wird immer dreißter.

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