Einnahmen sollen Kerngeschäft mit Drogerien stärken
Boots verkauft Geschäft mit Medikamenten

Die britische Drogeriekette Boots Plc zieht sich auf ihr Kerngeschäft zurück. Vorstandschef Richard Baker kündigte gestern an, dass die Tochter Boots Healthcare International (BHI) – in Deutschland vor allem durch das Hautreinigungsmittel Clearasil bekannt – zum Verkauf steht.

dih LONDON. Die Einnahmen, die Analysten zufolge im Milliardenbereich liegen dürften, will Boots zu mehr als der Hälfte an die Aktionäre ausschütten. Der Rest soll in die Modernisierung der Läden fließen. Gleichzeitig kündigte Baker einen weiteren Gewinnrückgang für das gerade begonnene Geschäftsjahr 2005/06 an.

Analysten beurteilten die Verkaufspläne gestern als Zugeständnis an die Aktionäre. Boots, 1849 als Kräuterheilmittel-Handel gegründet, hatte bereits 1995 den Großteil der Pharmaproduktion an BASF verkauft. BHI setzte im Ende März abgeschlossenen Geschäftsjahr 520 Mill. Pfund (755 Mill. Euro) um und erzielte 85 Mill. Pfund Betriebsgewinn. 150 Mill. Pfund setzte allein das Schmerzmittel Nurofen um, je rund 90 Mill. Clearasil und die Halstablette Streptosils.

Dieses Portfolio könne sowohl für Pharmakonzerne wie Glaxo Smithkline oder Pfizer als auch für Konsumgüterhersteller wie Reckitt Benckiser interessant sein, sagten Analysten. Bayer komme nicht in Frage, weil der Konzern bei rezeptfreien Schmerzmitteln schon stark sei. Der Kaufpreis dürfte sich nach den Bewertungen bei ähnlichen Transaktionen jüngster Zeit auf gut eine Milliarde Pfund belaufen. Boots hat Goldman Sachs mit der Suche nach Käufern beauftragt. Weitere 250 Mill. Pfund soll der Verkauf von rund 300 Läden an Immobilienfirmen bringen. Die Geschäfte mietet Boots anschließend zurück.

„Es war hart für unsere Mitarbeiter und unsere Aktionäre, einzusehen, dass unser Geschäftsmodell unhaltbar geworden war“, sagte Baker. Doch mit dem Abbau von 1 000 Stellen, Preissenkungen, der Renovierung von Geschäften und der Modernisierung der Informationssysteme durch die Einführung von SAP-Software habe er die Wende eingeleitet.

Boots leidet wie andere traditionelle britische Einzelhändler unter aggressiven Preissenkungen großer Supermarktketten wie Tesco. Hinzu kommt, dass sich das Konsumklima abkühlt. 2004/05 ist der Umsatz der Boots-Kette zwar auf unveränderter Fläche um 2,3 Prozent gewachsen, doch im Schlussquartal schrumpfte er um 0,9 Prozent. Der Gewinn vor Steuern werde bei 475 Mill. Pfund liegen, 18 Prozent unter Vorjahr.

Für 2005/06 sagte Baker um sechs Prozent steigende Kosten und ein Umsatzwachstum auf vergleichbarer Fläche von maximal zwei Prozent voraus. Somit werde der Betriebsgewinn zum zweiten Mal in Folge sinken.

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