Einschätzung des VDEW
Strompreise sollen vorerst nicht steigen

Stromkunden können in diesem Jahr im Gegensatz zum Öl und Gas mit stabilen Preisen rechnen. Der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) geht nach den zuletzt deutlich gestiegenen Energiekosten vorerst von keiner Anhebung der Strompreise aus.

HB BERLIN. „In diesem Jahr sind weitere Preissteigerungen nicht zu erwarten“, sagte der Präsident des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW), Werner Brinker, am Dienstag in Berlin. Im vergangenen Jahr habe der Stromabsatz um 1,5 % zugenommen. Dies sei aber nur auf das Wetter zurückzuführen gewesen, von der Konjunktur seien keine Impulse gekommen. Die Stromkosten für einen durchschnittlichen Haushalt hätten im vergangenen Jahr in etwa wieder auf dem Niveau von 1998 gelegen, dem Zeitpunkt vor der Liberalisierung des Strommarktes. Der Umsatz der Branche stieg den Angaben zufolge 2003 um sechs Prozent, was vor allem auf die zuletzt gestiegenen Preise zurückgehe. Er liege aber weiter deutlich unter dem Wert von 1997 vor der Privatisierung der Branche. Die Preissenkungen von etwa 20 % für die Haushalte seien durch höhere Steuern und Abgaben mittlerweile wieder aufgebraucht.

Brinker verwies darauf, dass die Strompreise für Haushalte seit 1995 nur um drei Prozent gestiegen sei, die Lebenshaltungskosten insgesamt aber um elf Prozent. Die stark gestiegenen Ölpreise würden sich auf die Strompreise kaum auswirken, da Strom in Deutschland in erster Linie aus Kohle, Atomkraft, Gas und Windkraft (acht Prozent) erzeugt werde. Die Windkraft sorge in der Branche allerdings für höhere Kosten, da wegen des unregelmäßigen Windes Reserve-Kraftwerke betrieben werden müssten.

Der Verband der Erneuerbaren Energien (VDE) erklärte hingegen, Mitte des nächsten Jahrzehnts werde Strom aus Wind, Wasser oder Sonne günstiger sein als Strom aus Kohle, Gas oder Atom. Der VDE wies auch den Vorwurf zurück, die erneuerbaren Energien würden die Strompreise treiben. Die Preise würden von der Branche mit Hilfe überhöhter Durchleitungspreise in ihren Netze in die Höhe getrieben.

Mit Blick auf das neue Energiewirtschaftsrecht, das demnächst im Bundestag verabschiedet werden soll, warnte Brinker vor zu weit gehenden Eingriffen des Staates. Eine zu starke Entflechtung von Unternehmen und deren Stromnetzen dürfe es nicht geben. Durch diese Entflechtung soll der Wettbewerb im Strommarkt belebt werden. Der Markt in Deutschland wird von den vier Großunternehmen RWE, Eon, EnBW und Vattenfall Europe dominiert.

Brinker verlangte von der Politik klare Rahmenbedingungen für die nächsten Jahre, da die Branche vor gewaltigen Investitionen stehe. So müssten Kraftwerke für rund 30 Mrd. € neu gebaut werde. „Wir wollen alle in Deutschland bauen“, betonte Brinker. Für die Entscheidungen müssten die Unternehmen aber etwa wissen, auf welchen Energieträger sie setzen könnten. Dabei spielten auch Umweltauflagen wie der europäische Handel mit Abgasrechten eine Rolle. Brinker äußerte sich skeptisch, ob alle europäischen Länder wie Deutschland die Anforderungen erfüllten. „Es darf aber nicht sein, dass wir mit Ski-Stiefeln das Fußballfeld betreten und die anderen mit Sportschuhen“, sagte der VDEW-Präsident.

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