Einschneidende Veränderungen im Flugbereich
Tui-Chef rechnet 2004 mit Wachstum in Touristik-Branche

Die schwerste Krise in der Reisebranche ist nach Meinung von Europas größtem Touristikkonzern Tui beendet. Konzernchef Michael Frenzel rechnet erstmals seit zwei jahren wieder mit deutlich steigenden Umsätzen und Gewinnen im reisegeschäft.

HB HANNOVER/PALMA DE MALLORCA. Frenzel kündigte in Palma de Mallorca am Donnerstag zudem einschneidende Veränderungen im Flugbereich an, die auch die deutsche Chartertochter Hapag-Lloyd Flug betreffen.

Dagegen wies der Tui-Chef die Spekulationen über einen schnellen Abschied der WestLB als Haupteigner des Reisekonzerns erwartungsgemäß erneut zurück. Erstmals deutete er aber die Möglichkeit an, dass die Landesbank ihre 31 Prozent der TUuiAktien nicht an einen Investor, sondern auch breit gestreut über die Börse verkaufen könnte. Frenzel betonte, dass die WestLB sich mittelfristig, also innerhalb von zwei Jahren, von Tui trennen wolle, und nach seinem Wissen nicht unter Verkaufsdruck stehe.

Touristik in Europa könnte um fünf Prozent wachsen

Der Reisemarkt in Europa werde nach allen bisher vorliegenden Studien im kommenden Jahr nach der langen Rezession erstmals wieder um fünf Prozent zulegen, sagte Frenzel. Er erwarte, dass auch der Tui-Touristikumsatz 2004 in dieser Größenordnung steige. In Großbritannien sei die Konsumlust unverändert hoch, in Deutschland sei die wirtschaftliche Talsohle mittlerweile durchschritten.

In diesem Jahr gehe Tui für seine Touristiksparte trotz der weiterhin laufenden Aufholjagd von einem Umsatzrückgang von drei Prozent aus. Der Rückstand gegenüber dem Vorjahr beim Umsatz für die Sommersaison habe sich weiter auf unter sechs Prozent verringert und dürfte sich bei fünf Prozent einpendeln, sagte Frenzel. Die Buchungen für den Monat Oktober liefen sehr gut. Bei den Buchungen für die Wintersaison lägen die Umsätze bereits über Vorjahr, hatte er bereits am Mittwoch vor Analysten erklärt.

Nach dem schlechten ersten Halbjahr mit einem operativen Rekordverlust vor Steuern und Abschreibungen (Ebta) in der Touristik soll das Reisegeschäft nach den Worten Frenzels in der zweiten Jahreshälfte 2003 bereits besser als im Vorjahr ausfallen. Für 2004 erwarte er dann einen „deutlichen“ Zuwachs beim Ergebnis. „Wir gehen davon aus, wenn sich die Märkte so weiter entwickeln, dass das Spartenergebnis Touristik deutlich über dem von 2003 liegen muss“, sagte Frenzel.

Erfolg der Billigfluglinien zwingt zu Veränderungen

Der Erfolg der Billigfluglinien zwingt nach Ansicht von Frenzel zu weit reichenden Änderungen im Fluggeschäft der Touristikkonzerne. Die Low-Cost-Airlines würden zunehmend touristische Ziele anfliegen. Konsequenz muss nach seinen Worten sein, die Kostenstrukturen auch in den traditionellen Charterfluggesellschaften an den Billigfluglinien zu orientieren. Für die britische Tochter Britannia sei ein solches Konzept jetzt beschlossen worden. Auch bei der deutschen Charter-Airline Hapag-Lloyd-Flug würden noch in diesem Jahr Maßnahmen eingeleitet, die 70 Millionen Euro pro Jahr sparen könnten.

Die Spekulationen über einen schon bald bevorstehenden Verkauf des Tui-Anteils der WestLB wies Frenzel zurück. „Wir führen derzeit keine Gespräche“, sagte er. Auch von der WestLB seien ihm keine Gespräche mit Investoren bekannt. Es gebe generell mehrere Optionen für einen Verkauf, dazu zähle auch die breit gestreute Platzierung des Aktienpaketes an der Börse, sagte Frenzel. Andere Touristikunternehmen schieden als künftige Eigner von Tui schon aus kartellrechtlichen Gründen aus. Denkbar seien Investoren mit strategischen Interessen an der Touristik oder aber Finanzinvestoren.

Es gibt nach Frenzels Worten bei der WestLB keine Eile. „Tui hat die Gelegenheit, Vorschläge zu machen“, fügte er hinzu. „Am Ende liegt die Entscheidung aber nicht bei uns.“ An einer Übernahme von wesentlichen TUI-Anteilen durch das Management, einem so genannten Management-Buy-Out, wie die „Börsen-Zeitung“ spekuliert hatte, arbeite er nicht.

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