Einsparungen auch bei Pauschalreisen erwartet
Reisebüros verlieren weitere Provisionen

Eine neue Hiobsbotschaft dürfte auf die Schreibtische der deutschen Reisebüros flattern. Nach der Lufthansa und anderen Linienfluggesellschaften wollen jetzt auch Ferienflieger ihre Provisionen für den Verkauf von Flugtickets streichen.

HB FRANKFURT. Den Anfang macht nach Informationen aus Branchenkreisen die Fluggesellschaft Hapag-Lloyd-Flug des Touristikkonzerns Tui. Hapag-Lloyd-Flug habe beschlossen, zur Wintersaison 2005/2006 keine Provisionen mehr zu zahlen, erfuhr Reuters am Freitag aus den Kreisen.

Andere Ferienfluggesellschaften wie die Thomas Cook-Tochter Condor oder Air Berlin könnten bald folgen. Sprecher beider Unternehmen sagen am Freitag, über das Thema Provisionen werde diskutiert. Alle Ferienfluggesellschaften konkurrieren beim Verkauf ihrer Einzelplätze, die nicht von Reiseveranstaltern vorab reserviert worden sind, mit den Billigfluglinien. Diese zahlen größtenteils keine Provision und werden vor allem per Internet gebucht.

Ein Tui-Sprecher wollte die Entscheidung für die so genannte Nullprovision bei Hapag-Lloyd-Flug nicht bestätigten. „Richtig ist, dass es Änderungen bei den Provisionsregelungen unserer Fluggesellschaft geben wird.“ Einzelheiten gebe es Ende April.

Den Branchenkreisen zufolge wird Hapag-Lloyd die Verträge mit den Reisebüros Ende April kündigen. Bislang fließen gut zehn Prozent des Ticketpreises an Reisebüros. Diese müssten künftig - wie seit vorigen Herbst für Tickets von Lufthansa und anderen Linienfluggesellschaften - auch für Hapag-Lloyd-Flüge von den Kunden Service-Entgelt verlangen, um ihre Kosten zu verdienen. Die Tui-Reiseveranstalter wollen den Kreisen zufolge für Pauschalreisen mit Flug und Hotel weiterhin Provisionen zahlen, ebenso für Einzelflüge, die bei einigen Tui-Veranstaltern separat buchbar seien.

Der Deutsche Reisebüro- und Reiseveranstalterverband (DRV) erklärte, es lägen noch keine Informationen über Änderungen bei den Provisionen der Ferienfluggesellschaften vor. Für eine Ferienfluggesellschaft werde es aber aufgrund des stärkeren Wettbewerbs schwieriger sein, die Nullprovision durchzusetzen, als beim Linienflug, wo Lufthansa dominiere, sagte ein Sprecher.

Branchenexperten gehen jedoch davon aus, dass der Wegfall der Flugticketprovisionen in der Touristik nur der erste Schritt zu weiteren Einsparungen auch bei den Pauschalreisen sein wird. „Es werden sicherlich alle Vergütungsmodelle auf den Prüfstand kommen“, sagte HVB-Touristikanalyst Christian Obst. „Die Vergangenheit hat gezeigt, in welche Richtung es dabei geht.“ Ob die Provisionen für den Verkauf von Pauschalreisen, dem Hauptgeschäft von Reisebüros, komplett gestrichen würden, halte er für offen. Aber auf Veränderungen müsse man sich einstellen.

Für den Einzelplatzverkauf und die Flugplanung bei Hapag-Lloyd-Flug ist künftig als neuer Geschäftsführer Claus Glüsing zuständig, der bisher bei den Tui-Reiseveranstaltern tätig war. Vorsitzender der Geschäftsführung bleibe Wolfgang John, teilte Tui mit.

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