Einstellungsstopp im Kerngeschäft
Lufthansa will sparen

Die Lufthansa muss auf dem Weg zu einem neuerlichen Rekordgewinn im laufenden Jahr noch zahlreiche Stolpersteine überwinden. Neben den rasant steigenden Treibstoffkosten schmälert der Streik des Bodenpersonals die Erträge von Deutschlands größter Fluggesellschaft. Auf die Hindernisse reagiert die Fluggesellschaft jetzt mit einem Sparplan.

HB FRANKFURT. Finanzvorstand Stephan Gemkow hielt am Mittwoch bei der Vorlage der Halbjahreszahlen an seiner Prognose fest. Er will 2008 an das operative Ergebnis von 1,4 Mrd. Euro aus dem Vorjahr anknüpfen.

Die Streiks seien ein „bedeutendes Risiko“ für die Ergebnisentwicklung, räumte der Finanzchef ein. Die möglichen Auswirkungen des unbefristeten Ausstands des Bodenpersonals und einigen Flugbegleitern sind nicht in der Prognose enthalten. Seit Montagmorgen streiken mehrere tausend Mitarbeiter, um ihre Gehaltsforderung von knapp zehn Prozent durchzusetzen. Ein Ende ist nicht in Sicht. Am Mittwoch musste das Unternehmen rund 80 Flüge streichen - darunter auch einige Langstreckenflüge. Über die Kosten des Arbeitskampfs hält sich die Lufthansa bedeckt. Analysten schätzen sie auf rund fünf Mill. Euro pro Tag.

Der Streik trifft die Lufthansa in einer ohnehin schwierigen Zeit. Die Fluggesellschaft muss im laufenden Jahr voraussichtlich Treibstoffkosten von knapp 5,6 Mrd. Euro schultern - 1,7 Mrd. Euro mehr als im Vorjahr. Zwar kann das Unternehmen einen Teil des Anstiegs durch Sicherungsgeschäfte und höhere Ticketpreise abfedern. Das Passagiergeschäft, mit dem der Konzern etwa die Hälfte seiner Erträge erzielt, wird jedoch 2008 aufgrund der höheren Treibstoffrechnung weniger Gewinn abwerfen, wie Gemkow erklärte. Durch teilweise deutliche Ergebniszuwächse - etwa im Technikbetrieb oder dem Frachtgeschäft - solle der Rückgang aber wettgemacht werden.

Weiters Ungemach droht der Lufthansa auch von der schwächelnden Wirtschaft. Diese könne die Nachfrage nach Flugreisen bremsen, warnte die zweitgrößte europäische Fluggesellschaft. Im ersten Halbjahr war davon aber noch nichts zu sehen. Das operative Ergebnis legte wie von Analysten erwartet um 45 Prozent auf 705 Mill. Euro zu. Der Umsatz stieg um knapp 20 Prozent auf gut zwölf Mrd. Euro. Damit setzte sich die Lufthansa weiterhin vom negativen Branchentrend ab. Erst vor zwei Tagen hatte der Billigflieger Ryanair wegen der hohen Treibstoffkosten zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen seine Gewinnerwartungen zurückgenommen. Noch stärker trifft der hohe Ölpreis US-Airlines, von denen einige bereits Insolvenz anmelden mussten.

Bei Zukäufen hält sich die Lufthansa weiter zurück. Nach der angekündigten Fusion von British Airways und Iberia sehe er keine Möglichkeit mehr, bei den Spaniern zum Zug zu kommen, sagte Gemkow. „Wir sind immer die Nummer zwei gewesen und nie in der Pole Position.“ Nur wenn sich die Briten, die seit Jahren Großaktionär bei Iberia sind, zurückgezogen hätten, hätte sich das Blatt möglicherweise gewendet. Mehr Hoffnungen macht sich Gemkow auf einen Einstieg bei der AUA. Die österreichische Fluglinie sucht einen starken Partner, um das eigene Überleben sicherzustellen. Noch ist aber unklar, ob und wann sich Österreich von seinem Anteil von rund 43 Prozent an der Fluggesellschaft trennen will. „Wir werden uns mit dem Thema befassen, wenn es akut ist“, sagte Gemkow. Auch der italienische Markt sei für Lufthansa weiterhin interessant. Der dortige Konkurrent Alitalia müsse jedoch zunächst ein umfangreiches Restrukturierungsprogramm durchlaufen.

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