Einstieg bei Bear Stearns geplant
China will sich „Schnäppchen“ schnappen

Die staatliche China Citic Group will bei der angeschlagenen US-Investmentbank Bear Stearns einsteigen. Dies bestätigte ein hoher Beamter der Bankenaufsicht gestern am Rande des stattfindenden Kongresses der Kommunistischen Partei in Peking. Ein Schnäppchen, meinen Analysten – und nicht nur das: Auch in pädagogischer Hinsicht sei ein Kauf sinnvoll, hieß es.

PEKING. Citic ist ein Investmentarm der Pekinger Regierung, der bislang einen Teil von Chinas Währungsreserven verwaltet. Zu der staatlichen Gruppe gehört auch die China Citic Bank, die Ende April mit einem milliardenschweren Börsengang in Hongkong ihre Kasse aufgefüllt hatte.

Die Pekinger Citic Group gehöre zu den chinesischen Banken, die ins Ausland gehen wollen, bestätigte der stellvertretende Chef der Bankenaufsicht, Jiang Dingzhi. Chinas Banken werden global „in eine neue Ära eintreten“, kündigte er an. Auch die Geschwindigkeit der Internationalisierung werde zunehmen. Jiang gab allerdings keine Details über die Citic-Pläne bei Bear Stearns.

Die Citic Group bestätigte lediglich ihre Expansionspläne. Es gebe momentan jedoch keine „konkreten“ Ergebnisse. Der staatliche Konzern war 1979 von Rong Yiren gegründet worden, dessen Vater bereits in den Dreißiger Jahren einer der reichsten Männer Chinas war und der als erster Kapitalist der Volksrepublik gilt. Unter Deng Xiaoping war Rong die Gallionsfigur der Wirtschaftsreformen, holte viele ausländische Milliardeninvestitionen nach China. Von 1993 bis 1998 war Rong Vizepräsident, er starb 2005 mit 89 Jahren.

Die Citic Group folgt dem Plan der China Minsheng Bank Bank, die bis zu 20 Prozent der UCBH Holdings in Kalifornien kaufen will. Die US-Bank hat viele Auslandschinesen als Kunden. Als erste China-bank war die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) ins Ausland gegangen. Sie hat die Seng Heng Bank (Macao) und die PT Bank Halim Indonesia übernommen. Die China Construction Bank hat die Hongkong-Tochter der Bank of America gekauft.

„Wir sehen eine Beschleunigungder chinesischen Finanzinstitute bei der Expansion im Ausland“, so Bankenaufseher Jiang. In den Medien war seit längerem über ein Interesse der Citic an Bear Stearns spekuliert worden. Die US-Bank ist wegen Fehlspekulationen auf dem Markt für zweitklassige Hypothekenkredite stark unter Druck geraten.

Anfang Oktober hatte Konzern-Chef James Cayne erklärt, dass Bear Stearns den Verkauf eines Anteils an einen chinesischen Investor ins Auge fasse. Nach Ansicht von Analysten ist die US-Bank günstig zu haben. Der Börsenwert ist in diesem Jahr um ein Viertel gesunken.

„Im Moment ist Bear Stearns ein Schnäppchen“, meint Arthur Lau von JF Asset Management in Hongkong. Für China biete solch ein Einstieg eine gute Chance, mehr über Investmentbanking zu lernen. Der chinesischen Branche fehlt es nach Jahrzehnten der Planwirtschaft noch immer stark an Expertise. Die Regierung in Peking fördert darum die globale Expansion der China-Banken, hat in den vergangenen Jahren ihre eigene Finanzmärkte geöffnet. Internationale Großbanken werden nun aber immer stärker in China aktiv, was die heimischen Banken unter Druck setzt und zur Expansion zwingt.

Diese Politik soll in den kommenden Jahren noch stärker umgesetzt werden, hatte auch Staatschef Hu Jinato am Montag vor dem Parteitag erklärt. Er kündigte zudem einen schrittweisen Abbau der staatlichen Kapitalkontrollen an. Peking werde auch eine größere Bandbreite beim Wechselkurs seiner Landeswährung Yuan zulassen, wolle aber beim eingeschlagenen Kurs der langsamen Anpassung festhalten.

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