Einstieg bei britischem Konkurrenten
Deutsche Post prüft angeblich Einstieg bei Royal Mail

Die Deutsche Post prüft einem Bericht der „Welt am Sonntag“ zufolge einen Einstieg bei ihrem britischen Konkurrenten Royal Mail. Die Deutsche Post sei neben der niederländischen TNT Post und dem Finanzinvestor CVC in die Runde der letzten Bieter vorgestoßen.

HB BONN. Ende März hätten sich Manager der Post mit dem Verwaltungsrat der britischen Staatspost dazu in London getroffen, berichtete die Zeitung. Ein Postsprecher sagte auf Anfrage, das Unternehmen gebe zu solchen Berichten „grundsätzlich keinen Kommentar ab“.

Unter dem Projektnamen „Rose“ hätten sich zwölf hochrangige Manager des Bonner Konzerns über wichtige Geschäftsdaten des Konkurrenten informieren lassen, berichtete die Zeitung weiter. Die britische Regierung suche einen Privatinvestor für die Staatspost und wolle 30 Prozent der Anteile verkaufen. Das Paket solle rund drei Mrd. Euro kosten. Die Delegation der Post sei vom britischem Finanzchef John Allan angeführt worden. Das Treffen habe beim Londoner Bankhaus Rothschild stattgefunden. Auf der Seite der Royal Mail habe Verwaltungsratschef Donald Brydon die Runde geleitet.

Konzernchef Frank Appel soll noch vor wenigen Wochen gesagt haben, dass die Post grundsätzlich kein strategisches Interesse an anderen nationalen Postgesellschaften habe. Ob die Deutsche Post den Zuschlag tatsächlich bekommen will, sei offen.

Die Pläne der Labour-Regierung, einen Investor für das 350 Jahre alte Staatsunternehmen zu finden, sind ein politisch heikles Thema. Seit Wochen rufen die 160 000 Beschäftigten der Royal Mail zu Protesten auf. Die Gewerkschaft sucht die Machtprobe mit dem neuen Wirtschaftsminister Peter Mandelson, den Premierminister Brown vor wenigen Monaten als neue starke Hand in sein Kabinett geholt hat. Der ehemalige EU-Handelskommissar Mandelson sieht sich beim Thema Post außerdem mit einer Revolte von 140 Labour-Abgeordneten konfrontiert, die befürchten, dass die Teilprivatisierung der Royal Mail zehntausende von Jobs kosten könnte.

Doch trotz Protesten und Parlamentsrebellion will Mandelson an dem Projekt festhalten. Er ist überzeugt davon, dass nur ein starker Investor den Staatsmonopolisten für den Wettbewerb fit machen kann. Die Labour-Regierung erhofft sich für den Verkauf eines 30-prozentigen Anteils einen Erlös von umgerechnet drei bis 3,5 Mrd. Euro. Trotzdem wird die Transaktion für Labour ein Zuschussgeschäft, weil die Regierung Pensionsverpflichtungen in Höhe von etwa zehn Mrd. Euro für 40 000 Postbedienstete übernehmen will.

Als Favorit für einen Einstieg bei der Royal Mail galt bislang der niederländische Post-Dienstleister TNT. Im Falle eines Zuschlags erwarten Experten, dass TNT vor allem auf niedrigere Löhne dringen wird. Zudem sind Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe notwendig, um die Royal Mail zu modernisieren. Der britische Postregulierer Postcomm räumt ein, dass die Royal Mail bis zu 40 Prozent weniger effizient arbeitet als die europäischen Wettbewerber.

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