Einstieg bei Curanum
Das nächste Opfer des Guy Wyser-Pratte

Inhaber von Curanum-Aktien dürften sich freuen, das Management des Altenpflege-Anbieters muss dagegen zittern: US-„Vorstandsschreck“ Guy Wyser-Pratte ist bei dem Düsseldorfer Unternehmen eingestiegen und wartet umgehend mit konkreten Umbauplänen auf, um die Rendite zu steigern.

HB DÜSSELDORF. Nach Informationen des Handelsblattes hat Wyser-Pratte fünf Prozent an der Curanum AG erworben, einem der fünf größten Anbieter von Pflegediensten in Deutschland. Der Amerikaner will Curanum mit anderen Unternehmen verschmelzen und so die Wirtschaftlichkeit verbessern. Der Markt für Altenpflege in Deutschland wird auf 23 Milliarden Euro geschätzt.

„Der deutsche Pflegemarkt liegt in Sachen Konsolidierung weit hinter der internationalen Konkurrenz“, sagt Wyser-Pratte. „Curanum muss diese Konsolidierung entweder aggressiv vorantreiben oder selbst konsolidiert werden.“ Der US-Investor hat bereits konkrete Vorstellungen. „Es gäbe mehrere Firmen, die an einer Verschmelzung mit Curanum Interesse hätten“, sagt Wyser–Pratte. „Diese Lösung würde nicht nur den Aktionären des Unternehmens zugute kommen. Von einer effizienteren Struktur würden alle Beteiligten profitieren.“

Curanum war am Montag noch nichts von dem neuen Großaktionär bekannt. Ein Sprecher sagte, man habe gerade erst von einem anderen Investor erfahren, dass er seine Anteile aufgestockt hat. Die Investmentbank Lehman Brothers halte nun acht Prozent an Curanum. Vor knapp vier Wochen gab der südafrikanische Investor Robert Hersov bekannt, dass er neun Prozent der Curanum-Aktien hält. Die niederländische Beteiligungsgesellschaft Navitas besitzt 15 Prozent.

Experten sind von dem Vordrängen der Privatinvestoren in den Pflegemarkt nicht überrascht. „Dieser Markt wächst deutlich schneller als der Rest der Volkswirtschaft“, sagt der Finanzwissenschaftler Professor Reinhold Schnabel von der Universität Essen, der sich auf die Alterssicherung spezialisiert hat. „Gleichzeitig ziehen sich öffentliche Träger zurück und bieten privaten Investoren die Möglichkeit, Fuß zu fassen“, ergänzt Schnabel.

Die Finanzinvestor treffen allerdings auf einen Markt, der extrem zersplittert ist. In der stationären Pflege gibt es in Deutschland rund 677 000 Plätze, sprich Betten. Die größten zehn Pflegedienste kommen zusammen nur auf 70 000 Betten – also gerade einmal zehn Prozent. Obwohl der Pflegemarkt durch die demographische Entwicklung ein praktisch eingebautes Wachstum hat, gibt es offenbar Hemmnisse.

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