Einstieg bei HHLA und Hochbahn: Mehdorn geht leer aus

Einstieg bei HHLA und Hochbahn
Mehdorn geht leer aus

Bahnchef Hartmut Mehdorn kann seine Pläne zu den Akten legen, beim Hamburger Hafenbetreiber HHLA und der Nahverkehrsgesellschaft Hamburger Hochbahn einzusteigen: Die Hansestadt hat die Gespräche abgebrochen, weil Mehdorn das Bahn-Hauptquartier nicht an die Elbe verlegen will.

HB HAMBURG. Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) sagte am Freitag, der Einstieg der Bahn bei den landeseigenen Unternehmen sei nur im Paket mit dem Umzug der Bahn-Zentrale nach Hamburg verhandelbar gewesen. „Wir betrachten deshalb unsere Gespräche mit dem Vorstand der Deutschen Bahn als beendet.“

Die Bahn und das Bundesverkehrsministerium hatten am Donnerstag erklärt, ein Umzug der Konzernzentrale stünde nicht mehr zur Debatte. Der bundeseigene Schienenkonzern betonte jedoch, es gehe weiterhin um die Verlagerung zentraler Funktionen an die Elbe, sollte der Einstieg bei HHLA und Hochbahn zustande kommen.

Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) zweifelte am Freitag an der Darstellung Hamburgs, wonach die Gespräche wegen der Standortfrage der Bahnzentrale abgebrochen worden seien. Die Verlagerung der Konzernzentrale „war sicher nicht Kern des unternehmerischen Engagements in Hamburg“, sagte Tiefensee in Berlin. „Wenn die Gespräche bereits an diesem Aspekt scheitern, hat das gesamte Projekt von Anfang an nicht auf soliden Füßen gestanden.“

Hamburg und Bahn hatten im Stillen bereits die Grundzüge des Paketgeschäfts ausgehandelt. Danach sollte die Bahn in der Hansestadt rund 400 Millionen Euro für ein neues Hauptquartier investieren und 1500 bis 2000 Arbeitsplätze schaffen. Bisher sitzt die Bahn in einem angemieteten Bürohochhaus am Potsdamer Platz in Berlin. Der Mietvertrag läuft in einigen Jahren aus.

Im November gingen von Beust und Mehdorn mit ihren Plänen schließlich an die Öffentlichkeit und ernteten dafür einen Sturm der Entrüstung. Der Berliner Senat, die Bundesregierung, die Hamburger Opposition, große Logistikfirmen und die Belegschaften der betroffenen Unternehmen protestierten - wenn auch aus unterschiedlichen Gründen - gegen das Vorhaben.

Mit einem Umzug der Bahn-Logistiksparte, auf den Mehdorns Pläne nach Aussage Verkehrsminister Tiefensee zuletzt zusammengeschrumpft waren, will sich von Beust jedoch offensichtlich nicht zufriedengeben. Mehdorns Begehrlichkeit galt vorrangig der Hafengesellschaft. Wäre es ihm gelungen, bei HHLA einzusteigen, wäre er mit seinem Bestreben einen wichtigen Schritt vorangekommen, die Bahn vom Anbieter von Güter- und Personentransporten auf der Schiene zum Logistikdienstleister umzubauen. Die Bahn transportiert bereits einen Großteil jener Güter zum Hamburger Hafen oder von dort ab; ein Einstieg bei HHLA wäre also durchaus sinnvoll gewesen.

Aber auch ein Einstieg bei der Hochbahn war von Experten als sinnvoll betrachtet worden. Zwar schreibt das Nahverkehrsunterternehmen rote Zahlen, erreicht aber einen respektablen Kostendeckungsgrad von 84,5 Prozent. Das schafft kein anderes städtisches Verkehrsunternehmen in Deutschland. Außerdem setzt die Hochbahn seit Jahren auf Expansion: Sie ist an den Verkehrsbetrieben in Kiel und Lübeck beteiligt und hat in Wiesbaden und Fulda Ausschreibungen für Verkehrsdienstleistungen gewinnen können. Im deutschen Stadtverkehrsmarkt, der nach Brancheneinschätzungen ein Volumen von rund 15 Milliarden Euro hat, ist die Bahn mit ihren Bus-Diensten kaum vertreten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%