Einstieg in den USA
Interseroh greift nach amerikanischem Schrott

Die hohe Stahlnachfrage sorgt für eine Reihe von Übernahmen im Schrotthandel. Jetzt hat der Kölner Recyclingkonzern Interseroh auf dem amerikanischen Markt zugeschlagen, er übernimmt 25 Prozent am Händler Pro Trade. Experten loben den Kauf als Befreiungsschlag.

DÜSSELDORF. Die international hohe Nachfrage nach Stahl, angekurbelt vor allem durch den Bauboom in Asien, beschleunigt das Übernahmekarussell im Schrotthandel. Wie der börsennotierte Recyclingkonzern Interseroh gestern bekannt gab, wird er jetzt erstmals auf dem US-amerikanischen Markt aktiv.

Zunächst erwirbt Interseroh eigenen Angaben zufolge 25 Prozent an dem Schrotthändler Pro Trade aus Hudson im US-Bundesstaat Ohio. Einen Kaufpreis nennen die Kölner nicht, Branchenexperten wie Michael Schäfer von Equinet schätzen ihn auf 8,3 Mill. Euro – wobei schon bald weitere Investitionen folgen könnten: Interseroh hat die Option, die Beteiligung auf 75 Prozent auszubauen. Pro Trade handelt jährlich mit rund einer Mill. Tonnen Schrott und setzte in den vergangenen drei Jahren durchschnittlich 250 Mill. Euro um.

Der Kölner Interseroh-Konzern, mit 3,3 Mill. Tonnen Schrott und rund 1,2 Mrd. Euro Spartenumsatz die Nummer drei der Branche, ist keineswegs der einzige Altmetallsammler auf Einkaufstour. Schon im August 2006 sicherte sich Remondis überraschend den deutschen Marktführer TSR (zehn Mill. Tonnen Schrott, 1,7 Mrd. Euro Umsatz) gemeinsam mit einem Konsortium für schätzungsweise 400 Mill. Euro.

Vor wenigen Tagen zog der schwäbische Wettbewerber Scholz nach und kaufte das polnische Schrottgeschäft des Berliner Abfallkonzerns Alba. Pikant dabei: Scholz verteidigt derzeit hartnäckig den zweiten Platz im deutschen Schrottmarkt ausgerechnet gegen Interseroh, an der Alba zu 53 Prozent beteiligt ist.

Angeblich hoffen die Kölner nun, zumindest für die ebenfalls von Alba zum Verkauf gestellten deutschen Schrott-Tochterfirmen den Zuschlag zu erhalten. Gerüchten zufolge ist aber selbst dieser Verkauf, der ein Umsatzvolumen von 100 und 200 Mill. Euro umfasst, bereits mit einem Wettbewerber besiegelt. Alba dementiert dies. „Entschieden ist nichts“, sagte ein Sprecher.

Der Einstieg von Interseroh in den USA gleicht daher einem Befreiungsschlag. „Eine starke Position in Deutschland reicht in der Branche mittelfristig nicht mehr aus“, lobt Equinet-Analyst Schäfer den Schritt. Mit einem Volumen von jährlich 60 Mill. Tonnen böten die USA weltweit den größten Markt an Altmetallen. Rund zwölf Mill. Tonnen davon gingen in den Export – vor allem nach Asien und Europa, wo sie vorzugsweise in Elektrostahlöfen zu neuem Stahl verarbeitet werden. Allein in Deutschland, rechnet der Branchenverband BVSE vor, stieg der Schrottanteil an der Rohstahlproduktion 2007 von 44,9 Prozent auf stolze 45,5 Prozent.

Mit dem Einstieg in Nordamerika folgt Interseroh aber auch seinen Kunden: Derzeit errichten sowohl Mittal als auch Thyssen-Krupp Elektrostahlwerke in den USA.

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