Einstieg von Etihad bei Alitalia
Gegenwind für die arabische Offensive

Mit einem Einstieg bei der italienischen Alitalia will Etihad die Tür zum europäischen Markt aufschlagen. Die Bedingungen der Araber sind so hart, dass die Verhandlungen sogar scheitern könnten, fürchten Beobachter.
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Rom„Ich glaube, dass morgen das Angebot von Etihad an Alitalia kommt.“ Dieser Satz von Gaetano Miccichè, Generaldirektor der Bank Intesa Sanpaolo, die mit einem Anteil von 20,59 Prozent größter Eigentümer der italienischen Airline ist, lässt die Verantwortlichen in Rom aufhorchen. Vor allem Transportminister Maurizio Lupi, einer der wenigen Minister, die Premier Matteo Renzi aus der Vorgängerregierung von Enrico Letta übernommen hat.

Lupi gehört zu den entschiedensten Förderern der Gespräche über ein Zusammengehen der beiden Airlines. „Die due diligence (die Überprüfung) ist abgeschlossen“, sagte er am Dienstag bei einer Anhörung im Senat vor dem Ausschuss für öffentliche Arbeiten. „In diesen Tagen werden das Angebot, die Verhandlungspositionen und die Absichtserklärung definiert.“ Und Etihad-CEO James Hogan ließ aus Abu Dhabi verlauten, man sei im Moment noch in der Phase der Überprüfung.

Doch es hakt. Aus Finanzkreisen verlautete jetzt, dass das Zusammengehen vor dem Scheitern steht. Das Handelsblatt sprach mit italienischen Managern, die davon ausgehen, dass die italienische Seite den Auflagen der Airline mit Sitz in Abu Dhabi nicht zustimmen wird.  Die Faktenlage ist bisher so: Noch gibt es die Absichtserklärung (letter of intent) nicht. Mit dem Schreiben, in dem die Verhandlungen offiziell aufgenommen werden sollen, hatte Alitalia-Chef Roberto Colaninno nach Berichten mehrerer Zeitungen fest gerechnet.

40 Experten aus den Emiraten hatten die Büros der Alitalia in den vergangenen Wochen auf den Kopf gestellt und alle Zahlen geprüft. Stattdessen kam ein Industrieplan mit happigen Forderungen. Etihad strebt einen Anteil von 40 Prozent von Alitalia an und wäre damit größter Aktionär. Neben Intesa Sanpaolo sind die italienische Post (19,4 Prozent und die Bank Unicredit (12,9 Prozent) die größten Anteilseigner der ehemaligen staatlichen italienischen Airline, die schon vor Jahren ins Trudeln geraten ist. Auch die Familie Benetton ist neben anderen an Alitalia beteiligt.

Bisher geht man davon aus, dass Etihad eine Finanzspritze von 300 Millionen Euro mitbringt. Die gleiche Summer war bei der Rekapitalisierung  der Alitalia im vergangenen Dezember eingeflossen. Jetzt sprechen Kreise in Rom von 500 Millionen. Dafür verlangen die Manager aus den Emiraten Einsparungen bei Alitalia, auch beim Personal, Medien berichten von bis zu 3000 Arbeitsplätzen. Das chronische Defizit soll umstrukturiert werden, außerdem will Etihad mehr Präsenz auf italienischen Flughäfen, vor allem in Rom-Fiumicino.

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