Einstieg von TNT
Royal Mail sucht Partner

Ohne Reform, da sind sich Experten einig, ist die britische Postgesellschaft Royal Mail vom Aus bedroht. Insbesondere Milliardenlöcher in der Pensionskasse bedrohen ihre Existenz. Derzeit suchen die Briten darum einen finanzkräftigen Investor. Sie scheinen fündig geworden zu sein. Die niederländische TNT verhandelt über einen Einstieg.

DÜSSELDORF/LONDON. Die britische Regierung sucht einen kapitalkräftigen Teilhaber für die staatliche Postgesellschaft Royal Mail. Das teilte Wirtschaftsminister Peter Mandelson gestern dem Parlament mit. Die niederländische TNT äußerte Interesse an einer strategischen Partnerschaft. Die Deutsche Post, die ebenfalls auf dem britischen Postmarkt mit der Royal Mail konkurriert, hielt sich hingegen zurück. Eine Studie im Auftrag der Regierung kommt zu dem Schluss, dass die Royal Mail ohne eine gründliche Reform in ihrer Existenz bedroht ist. Eines ihrer Probleme ist ein Milliardendefizit in der Pensionskasse.

Der Einstieg eines privaten Partners würde den Universaldienst, also die Verteilung von Post in jedes Haus, sichern, sagte Mandelson. Außerdem würde er einen frischen Impuls zur Modernisierung der Royal Mail geben. Die Regierung sei bereit, Geld in die Pensionskasse einzuschießen, um ihr Defizit zu verringern. Oppositionsführer David Cameron signalisierte Unterstützung für eine Teilprivatisierung.

Es sei für beide Unternehmen sinnvoll, eine strategische Partnerschaft zu erörtern, sagte der Chef des zweitgrößten europäischen Expressdienstes TNT, Peter Bakker. Ziel der Gespräche sei eine substanzielle Minderheitsbeteiligung. Eine Partnerschaft würde auf jeden Fall die Postämter ausschließen, sagte er. Der Einstieg in Großbritannien könnte TNT wieder in die Offensive bringen, nachdem das Unternehmen zuletzt mehrfach seine Ergebnisprognose nach unten anpassen und Sparprogramme auflegen musste.

Die Royal Mail hat die Privatisierungswelle der Achtzigerjahre überlebt. Die Labour-Partei hat in ihrem Regierungsprogramm versprochen, dass der Konzern mit 200 000 Beschäftigten in Staatshand bleibt. Seit der Öffnung des Postmarktes am 1. Januar 2006 haben jedoch private Konkurrenten immer größere Anteile des lukrativen Firmenkundengeschäfts erobert.

Die Royal Mail durfte im Gegenzug das Briefporto erhöhen, um in moderne Verteilzentren investieren zu können. Sie hat Zehntausende Stellen abgebaut und viele Postämter geschlossen, oft unter massiven Protesten und begleitet von Streiks.

Im Halbjahr zum 28. September ist das Briefvolumen des Staatskonzerns um vier Prozent auf 79 Mio. Sendungen am Tag geschrumpft. Während sich der strukturelle Niedergang fortsetzte, verbesserte Royal Mail die Ergebnisse. Der Umsatz wuchs um vier Prozent auf 4,6 Mrd. Pfund (5,2 Mrd. Euro), wozu vor allem das europäische Paketgeschäft beitrug. Der operative Gewinn verdoppelte sich auf 177 Mio. Pfund. Dabei gelang es, die Post Office Ltd. als Betreiber der Postämter in die schwarzen Zahlen zurückzubringen.

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