Einstweilige Verfügung
Ritter Sport greift Stiftung Warentest frontal an

Der Streit zwischen Ritter Sport und der Stiftung Warentest über die Note "mangelhaft" für eine Schokoladensorte geht in die nächste Runde. Das Unternehmen hat eine einstweilige Verfügung erwirkt.
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Waldenbuch/HolzmindenDer Schokoladenhersteller Alfred Ritter hat eine einstweilige Verfügung gegen die Stiftung Warentest erwirkt. Das Landgericht München I gab einem entsprechenden Antrag des Unternehmens statt, teilte der Hersteller von „Ritter Sport“ am Donnerstagabend mit. Damit ist den Verbraucherschützern zunächst untersagt, dem Unternehmen vorzuwerfen mit der Bezeichnung eines Aromas auf den Tafeln der Sorte „Voll-Nuss“ Verbraucher zu täuschen.

In einem Test von Nussschokoladen verschiedener Hersteller hatte die Stiftung das Aroma Piperonal in dem Ritter-Produkt gefunden. Im Zutatenverzeichnis ist dies als „natürliches Aroma“ ausgewiesen. Das Aroma werde jedoch in ausreichender Menge nicht natürlich hergestellt, so die Stiftung. Daher sei die Bezeichnung irreführend und der Verbraucher getäuscht worden. Daher wertete sie die „Voll-Nuss“ als „mangelhaft“, obwohl sie eigentlich ein „gut“ erreicht hatte. Ritter wies die Behauptung von Anfang an als unzutreffend zurück.

Aroma-Lieferant Symrise hatte die Position des Kunden mit einer eidesstattlichen Versicherung unterfüttert. Über die Details des Produktionsverfahrens, bei dem aus einer nicht näher bezeichneten Pflanze das Piperonal gewonnen werde, gab das Unternehmen jedoch bislang öffentlich keine Auskunft. Andere Schokoladenhersteller setzen ebenfalls Aroma ein und weisen dies meist als „Aroma (Vanillin)“ aus. Damit ist ein synthetisch hergestellter Aromastoff umschrieben. Die Lebensmittelgesetze schreiben vor, dass ein Aroma nur dann den Zusatz „natürlich“ tragen darf, wenn es aus auf herkömmlichen Wege aus einer Pflanze gewonnen werde. Piperonal kommt natürlich etwa in Tahiti-Vanille, Dill oder Pfeffer vor.

Der Vorwurf gegen das baden-württembergische Unternehmen beschäftigt auch die Staatsanwaltschaft Stuttgart. Sie prüft, ob durch die Auszeichnung ein Gesetzesverstoß begangen wurde. Wie lange die Prüfung dauere, könne die Staatsanwaltschaft nicht abschätzen, so eine Sprecherin zu Handelsblatt Online.

Die Stiftung teilte am Abend mit, in jedem Fall Widerspruch gegen die Entscheidung einlegen zu wollen. In der Regel sind Gerichte großzügig bei einstweiligen Verfügungen. Ob die Entscheidung Bestand haben wird, bleibt abzuwarten.

Für den mittelständischen Schokoladenhersteller hat die Entscheidung große Bedeutung, denn nicht nur die Sorte „Voll-Nuss“ erhält das Aroma Piperonal. In allen Sorten des Unternehmens, die Vollmilchschokoale beinhalten, steckt auch Piperonal. Vor etwa fünf Jahren hatte das Unternehmen alle Rezepturen auf rein natürliche Zutaten umgestellt. Am Abend griff Ritter die Stiftung Warentest in einer Mitteilung scharf an. Die Tester hätten dem Unternehmen vorab mitgeteilt, dass Piperonal gefunden worden sei. Der Schluss, dass dies chemisch hergestellt worden sei, teilte die Stiftung nicht mit. „Dies deutet darauf hin, dass es der Stiftung Warentest auf eine schlagzeilenträchtige Meldung ankam“, heißt es in der Erklärung Ritters.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

Kommentare zu " Einstweilige Verfügung: Ritter Sport greift Stiftung Warentest frontal an"

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  • Konzern?

    Ich erwarte ja nicht, das jemand der Schokolade isst, etwas von Wirtschaft versteht, aber ich erwarte, dass jemand der ein Unternehmen als Konzern bezeichnet, weiß, was er da schreibt.

  • Es war eine gute Entscheidung, bereits vor Jahren das Abo der Zeitschrift Test zu kündigen.

    Eine derart im Namen des Verbraucherschutz auftretende Stiftung hat bei keinen eine Gefahr darstellenden Untersuchungsergebnissen sich erstmal mit dem Unternehmen in Verbindung zu setzen statt diesem finanzielle zu schaden.

    Was ist an Verbraucherschutz gewonnen, wenn dieses Konkurs geht und an MARS verkauft wird? Rein gar nix. Auch für Stiftung Warentest gilt: mit dem Hirn kann man auch weiter denken als nur um die erste Ecke

  • Die Stiftung Warentest, die sich zu einem großen Teil von Steuergeldern finanziert, darf sich massive Fehler nicht leisten. Also warten wir mal ab, was sich da noch ergibt. Ritter ist kein unbeschriebenes Blatt im Marktverhalten, denkt man an die vom Bundeskartellamt verhängte Strafe wegen Preisabsprachen. Da hat der Verbraucher die quadratisch-praktisch-gute Gewinnschatulle über Jahre gefüllt. Auf der Internetseite des Kartellamtes habe ich den Vorgang leider nicht gefunden. Höchste Zeit, dass auch dort ein Minimum an Transparenz einzieht.

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