Einzelhänder
Weihnachten bleibt viel Platz unter dem Baum

Die Wirtschaftskrise macht sich in diesem Jahr auch unter dem Weihnachtsbaum bemerkbar. Selbst der chronisch optimistische Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) ist für das Weihnachtsgeschäft pessimistisch. Diesen Eindruck bestätigt auch eine aktuelle Studie.
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HB BERLIN. Für November und Dezember rechnet der Einzelhandel mit einem Umsatzrückgang von 1,5 Prozent auf rund 73 Mrd. Euro, wie der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) am Donnerstag in Berlin erklärte. Im Weihnachtsgeschäft 2008 habe der Umsatz noch bei 74,2 Mrd. Euro gelegen.

„In den kurzen zwei Monaten wird immerhin ein Fünftel des Jahresumsatzes gemacht, in manchen Branchen sogar mehr“, sagte HDE-Präsident Josef Sanktjohanser. Ursprünglich sei aufgrund des prognostizierten Anstiegs der Arbeitslosenzahlen ein noch stärkerer Einbruch erwartet worden. Diese Befürchtung habe sich aber nicht bestätigt. Tatsächlich sei die Stimmung der Verbraucher insgesamt heute sogar besser als vor einem Jahr und das Konsumklima relativ stabil.

Diese Annahme wird von einer am Donnerstag in München veröffentlichten Studie des Beratungsunternehmens Deloitte gestützt. Danach plant jeder Bürger im Schnitt 485 Euro für das Fest ein, das sind über 80 Euro mehr als 2008. Zwei Drittel der Befragten wollen genauso viele Menschen beschenken wie letztes Weihnachten, immerhin 13 Prozent sparen gegebenenfalls bei eigenen Anschaffungen und neun Prozent bei Präsenten für Kollegen.

Ganz oben auf der Liste der beliebtesten Geschenke stehen der Studie zufolge Gutscheine und Bargeld sowie Bücher. Bei Jugendlichen gehören zudem CDs zu den Favoriten. Gekauft wird im Kaufhaus, aber das Internet holt auf.

Der HDE erwartet in diesem Jahr allein im Onlinegeschäft für November und Dezember Umsätze in Höhe von 5,5 Mrd. Euro.

Ingesamt liegen die Erwartungen des Einzelhandels für das Weihnachtsgeschäft über dem Jahrestrend. Die ersten drei Quartale des Jahres hätten den Unternehmen noch einen Umsatzrückgang von zwei Prozent auf 284,4 Mrd. Euro beschert, erklärte Sanktjohanser. Zwar habe dies zu schmerzhaften Einbußen geführt, dennoch liege auch dieser Wert innerhalb der krisenbedingten Erwartungen: „Wir stehen besser da als andere Wirtschaftszweige“.

Für 2010 rechnet Sanktjohanser mit einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation. Als Gründe hierfür nannte er die steigende Arbeitslosigkeit, engere Konsumspielräume, eine schlechtere Verbraucherstimmung sowie die unverändert hohe Sparquote. „Da hilft es dann auch kaum, dass sich die Einzelhandelspreise nach unserer Einschätzung 2010 moderat entwickeln werden.“ Mit einem Abbau von Arbeitsplätzen sei in der Branche trotzdem nicht zu rechnen. Derzeit sind rund 2,6 Mio. Menschen im Einzelhandel beschäftigt.

Sorgen macht Sanktjohanser dagegen die Klage der Kirchen gegen die Berliner Sonntagsregelung. Am 1. Dezember will das Bundesverfassungsgericht entscheiden, ob die zehn verkaufsoffenen Sonntage in Berlin, darunter auch jene im Adventszeitraum, dem Grundgesetz entsprechen. Neben Umsatzeinbußen befürchtet der HDE auch eine Wettbewerbsverzerrung gegenüber den sonntags geöffneten Weihnachtsmärkten. Schließlich werde in Berlin rund ein Viertel des Sonntagsumsatzes im Advent mit Touristen erzielt.

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