Einzelhändler des Landes starten Preiswettbewerb: Schweizer bereiten sich auf Aldi & Co vor

Einzelhändler des Landes starten Preiswettbewerb
Schweizer bereiten sich auf Aldi & Co vor

Noch bevor die deutschen Discounter Aldi und Lidl ihre Ankündigung wahrgemacht haben, Filialen in der Schweiz zu eröffnen, purzeln im Einzelhandel des Alpenlandes bereits die Preise. Einen regelrechten Preiskampf liefern sich derzeit die Lebensmittelhändler Migros, Coop und Denner.

HB ZÜRICH.Migros, mit einem Umsatz von knapp zehn Mrd. Euro im Jahr 2003 die Nummer eins im Schweizer Einzelhandel, hat ihre Billiglinie M-Budget gerade um 50 auf 250 Produkte aufgestockt. Sie schlägt damit zurück, nachdem Konkurrent Coop, der bei Umsatz und Marktanteilen Migros auf den Fersen ist, eine Woche zuvor seine Billiglinie „Prix Garantie“ mit 200 Produkten und durchschnittlichen Preisermäßigungen von 25 Prozent lanciert hatte.

Denner, der dritte im Bunde, der mit seinen einfachen Läden noch am ehesten mit den deutschen Discountern vergleichbar ist, hatte Anfang des Jahres 100 weitere Eigenmarken-Artikel dauerhaft verbilligt. Mit einem Umsatz von einer Mrd. Euro ist der Schweizer Discounter zwar ein Zwerg im Vergleich zu den beiden anderen. Aber er lässt in Sachen Wachstum die Branchenführer weit hinter sich: Mehr als elf Prozent konnte er 2003 zulegen. Marktführer Migros brachte es nur auf 1,5 Prozent.

Werden die Schweizer also langsam arm genug für den Angriff der Discounter? Die Statistik spricht dafür. Die Konjunkturexperten des Staatssekretariats für Wirtschaft haben ihre Prognose für dieses Jahr von zwei auf 1,5 Prozent Wirtschaftswachstum gesenkt. Eine Arbeitslosenquote, die hartnäckig bei an die vier Prozent verharrt, dämpft die Konsumlust zusätzlich. Die Ökonomen in Bern rechnen nur mit einem Anstieg von 1,2 Prozent bei den Konsumausgaben.

Schlechte Zeiten für die Konjunktur sind gute Zeiten für die Discounter. Ruedi Baer, Chef der börsennotierten Handy-Verkäufer-Kette Mobilzone sieht in der Schweiz eine Entwicklung, die in Deutschland schon längst eingesetzt hat. Mobilzone arbeitet nach dem Discounter-Prinzip und hat die Schweiz mit 100 Filialen überzogen, in denen Mobilfunkgeräte und -abonnements verkauft werden.

Die Zürcher Privatbank Vontobel bescheinigt dem Handy-Discounter, der heute Umsatzzahlen vorlegt, „deutliches Aufwärtspotenzial“. „Inzwischen“, sagt Baer, „gibt es auch in der Schweiz nur noch einen Promillesatz von Kunden, die nicht auf den Preis gucken.“

Baer widerspricht damit Gotthard Wangler, der früher in der Geschäftsleitung des von Coop übernommenen Konsumvereins saß und heute als Unternehmensberater tätig ist: Der Schweizer sei ein „Smart Shopper“, der aufs Preis-Leistungs-Verhältnis achte und auch mal dem teureren Produkt den Vorzug gebe, glaubt er.

Denner-Chef Philippe Gaydoul hält solche Einschätzungen eher für Wunschdenken. Er will jedenfalls gewappnet sein, falls es anders kommt, und verstärkt deswegen jetzt den Druck auf die Hersteller. Weiteres Potenzial für tiefere Preise sieht er besonders bei den Markenartikeln. „Die Produkte müssen günstiger werden.“ Von den Hersteller verlangt er, „ihre Kalkulationsschemen zu korrigieren und sich mit tieferen Einstandspreisen zufrieden zu geben“. Die Multis gingen davon aus, dass sie in der teuren Schweiz höhere Preise durchsetzen könnten, um andere Märkte damit zu subventionieren. „Das können wir nicht mehr akzeptieren“, sagt Gaydoul, und bereitet sich damit offenbar intensiv auf ein Leben nach dem Markteintritt von Aldi und Lidl im nächsten Jahr vor.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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