Einzelhändler
Illegale Befehle per Computer

Nach den Durchsuchungen des Zolls bei Kaufland gibt es nun Hinweise, dass sich das Unternehmen beim Einsatz von Werkvertraglern nicht an das Gesetz gehalten hat. Diese könnten widerrechtliche Anweisungen erhalten haben.
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Als „regelmäßige Kontrollen“ spielten die Einzelhandelskonzerne Netto und Kaufland die Razzien herunter – 450 Ermittlungsbeamte des Zolls haben in der vergangenen Woche Büros und Lagerhallen der Lebensmittelhändler durchsucht. Der Vorwurf: Die Unternehmen hätten mit illegalen Scheinwerkverträgen Tariflöhne erheblich unterschritten. Zudem seien möglicherweise Beiträge zu den Sozialversicherungen hinterzogen worden.

Recherchen des Handelsblatts belegen, dass die Durchsuchungen keineswegs Routine waren. Den Beweis für den Missbrauch von Werkverträgen könnte ein Computersystem liefern. Kaufland setzte das System „Pick-by-Voice“ ein, um seinen Mitarbeitern Arbeitsanweisungen zu geben – auch Werkvertraglern.

Genau darin sehen Experten einen Gesetzesverstoß. Werkvertragler müssen ihre Aufträge vom Subunternehmer erhalten und nicht direkt von dem Unternehmen, in dem sie eingesetzt werden. Denn dann würden sie gleich behandelt wie Festangestellte oder Leiharbeiter und hätten auch ein Anrecht auf den gleichen Lohn. In der Praxis jedoch verdienen Werkvertragler meist deutlich weniger als die Stammbelegschaft.

In den Kaufland-Logistikzentren Dortmund, Donnersdorf und Möckmühl arbeiten 2000 Menschen. Nur die Hälfte von ihnen ist fest angestellt, 950 Lagerarbeiter arbeiten für Subunternehmen. Zwei Drittel von ihnen packen die Paletten, ein Drittel fährt die Gabelstapler.

Kaufland zahlt den fest angestellten Lagerarbeitern mindestens den Tariflohn von 9,50 Euro bis 10 Euro im Westen. Werkvertragler bekommen nur 8,50 Euro pro Stunde.

Grund für den Unterschied sei der starke Wettbewerb im Logistikbereich, erklärt eine Kaufland-Sprecherin. Bei Rivalen sieht es nicht besser aus: Der Mindestlohn von Discounter Netto liegt mit 7,50 Euro sogar noch niedriger.

Kommentare zu " Einzelhändler: Illegale Befehle per Computer"

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  • Ich verstehe die „Experten“ nicht. Beschäftigt jemand einen Leiharbeiter als Fahrer zum Ausliefern von Ware und kommt die Anweisung für die zu fahrende Strecke vom Navi, dann wäre das ein Gesetzesverstoß? Ähnlich verhält es sich bei Kaufland. Die Leiharbeitsfirma gibt ihren Mitarbeiter die Anweisung bei Kaufland Ware zu kommissionieren. Die genauen Angaben für den Auftrag (Artikel, Menge und Lagerort) kommen von einer PC Stimme. Es wäre lebensfremd zu erwarten dass hinter jeden Leiharbeiter ein Vertreter seines Arbeitgebers steht, der sagt wo die Ware liegt und dass er diese aus dem Lagerregal nehmen soll.

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