Einzelhändler muss langen Atem zeigen
Wal-Mart hat in Deutschland viele Erzrivalen

Der Einzelhandelsgigant Wal-Mart Stores Inc. will in Deutschland nach langen und bitteren Lehrjahren in die Offensive gehen. Mit dem Ausbau des Filialnetzes und der Eigenmarken soll die Marktposition verbessert werden.

HB WUPPERTAL. Von einem Rückzug des US-Konzerns kann nach Angaben der Tochter Wal-Mart Germany keine Rede sein. "Wir bleiben in Deutschland", unterstreicht Deutschland-Chef Kay Hafner. Damit bleibt der Wettbewerb im deutschen Einzelhandel zu Gunsten der Verbraucher hart. Vor allem die Lebensmittelpreise sind unter Druck.

Der US-Konzern Wal-Mart ist mit seinem Umsatz von rund 285 Mrd. Dollar und 1,5 Mill. Mitarbeitern ein Handelsriese. Das Filialnetz umfasst mehr als 5 000 Märkte. In Deutschland ist Wal- Mart bisher aber eher ein Zwerg: Wal-Mart Germany hat weniger als 100 Filialen. Den Umsatz schätzten die Frankfurter Branchenkenner von M+M Eurodata auf gut 2,8 Mrd. Euro im vergangenen Jahr. Mit dieser unbestätigten Umsatzzahl gehört Wal-Mart Germany gegenwärtig nicht einmal zu den zehn größten Handelsunternehmen in Deutschland.

Der US-Handelskonzern wagte Ende 1997 den Sprung nach Deutschland mit der Übernahme von 21 Wertkauf-SB-Warenhäusern. Ein Jahr später wurden 74 Interspar-Warenhäuser geschluckt. Wal-Mart Germany hatte lange Zeit Mühe, festen Boden unter die Füße zu bekommen. Presseberichten zufolge schrieb die Tochter Verluste in dreistelliger Millionenhöhe. "Man könnte ein Lehrbuch über unsere Erfahrungen in Deutschland schreiben. Wir haben wirklich mehr falsch als richtig gemacht", sagte der Konzernchef Lee Scott vor drei Jahren zum schwierigen Start.

Kaufland macht Wal-Mart zu schaffen

Seitdem wurde mit Hochdruck an den Kosten gefeilt. Deutschland- Chef Hafner hat eine gute Nachricht für die Zentrale in Bentonville: Wal-Mart Germany habe 2004 einen positiven operativen Mittelzufluss erzielt und könne damit zumindest einen Teil der Investitionen selbst tragen. Der Umsatz der deutschen Tochter ging jedoch leicht zurück. Im harten Wettbewerb baut Wal-Mart Germany seine Eigenmarken in den Regalen weiter aus, die preislich unter den Markenartikeln liegen. Der Eigenmarkenanteil sei in zwei Jahren auf 20 Prozent verdoppelt worden. Damit nutzt Wal-Mart Germany ein Mittel der Discounter.

Ausgerechnet der Konkurrent Kaufland kann Wal-Mart die Filialen in Erkelenz und Solingen auf der Basis von langfristigen Vorverträgen wegschnappen. Auch die Metro-Tochter Real sowie die Discounter gehören zu den Erzrivalen von Wal-Mart in Deutschland. Kurze Zeit nach dem Markteintritt der Amerikaner entbrannte ein so heftiger Preiskampf mit Aldi & Co um den besten Preis bei Butter, Milch und Zucker, dass die Wettbewerbshüter einschritten. Derzeit herrscht zwar relative Ruhe an der Preisfront. Experten sind sich aber einig: Es ist nur eine Frage der Zeit, wann der nächste Schlagabtausch beginnt.

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