Einzelhändler Tesco
Briten verbrennen sich die Finger in Amerika

Mit Investitionen in den USA haben deutsche Firmen wie Thyssen-Krupp oder Deutsche Post schlechte Erfahrungen. Der britische Einzelhändler Tesco erleidet ein ähnliches Schicksal – und könnte Hilfe bei Deutschen suchen.
  • 1

LondonDer Stahlkonzern Thyssen-Krupp sucht einen Käufer für sein US-Werk in den USA, das für Milliardenverluste mitverantwortlich ist. Die Deutsche Post stieß einst groß in das Express-Paketgeschäft ein und musste kleinlaut den Vorstoß beenden. Und die Deutsche Telekom versucht derzeit durch eine Fusion mit dem kleineren Konkurrenten Metro PCS das US-Mobilfunkgeschäft T-Mobile zu stützen.

Die Finger in den USA hat sich auch der größte britische Einzelhändler Tesco verbrannt. Seit 2007 hatte der Konzern über 200 Filialen unter dem Namen Fresh & Easy im Westen der USA eröffnet. 5000 Mitarbeiter sind dort tätig, doch jetzt bläst Tesco zum Rückzug. Etwa 1,2 Milliarden Pfund (1,4 Milliarden Euro) wird der Rückzug das Ergebnis drücken.

Erstmals seit 20 Jahren meldete Tesco einen Gewinnrückgang, zu dem auch ein Umbau des Europageschäfts beiträgt. Das Vorsteuerergebnis im Geschäftsjahr bis zum 13. Februar 2013 brach um mehr als die Hälfte auf umgerechnet 2,28 Milliarden Euro ein. Der Weg des Ausstiegs aus den USA ist noch nicht geklärt. Ein Verkauf könnte eine Möglichkeit. Die britische Zeitung Telegraph hatte kürzlich spekuliert, dass der deutsche Discounter Aldi ein möglicher Käufer sein könnte. Der betreibt bereits über 1200 Filialen im Land, unter anderem unter der Marke „Trader Joe's“.

Auch in Großbritannien richtet Tesco das Geschäft neu aus. Um die Kunden wieder stärker in die Geschäfte zu locken, wurden die Läden renoviert, in Service investiert und der Anteil an Eigenmarken ausgebaut. Der Konzernumsatz verbesserte sich im vergangenen Jahr um 1,4 Prozent auf 64,8 Milliarden Pfund (75 Milliarden Euro). Tesco hat in der Heimat zuletzt Marktanteile verloren.

In das US-Geschäft hatte Tesco etwa 1,16 Milliarden Euro investiert und dabei vor allem auf kleinere Supermärkte gesetzt – in einem Markt, der von „Big Box“-Supermärkten in riesigen Gewerbehallen dominiert wird. Die Marke „Fresh & Easy“ konzentriert sich auf gesunde und alternative Nahrungsmitteln und bietet viele Eigenmarken an. Das Konzept ähnelt damit dem der Aldi-Tochter „Trader Joe's“.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Einzelhändler Tesco: Briten verbrennen sich die Finger in Amerika"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Na so etwas?

    Die englischen Piraten hatten in den USA keinen Erfolg ?
    Das ist aber schade, denn andere Länder sollten doch froh sein, dass sie von den Engländern Kolonial ausgeraubt und geplündert werden. Dass das die Amis nicht wollen, ist glatt eine Frechheit.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%